Category Archives: Berge

Garmisch-Partenkirchen ***

Ein richtiger Winter mit viel Schnee im Ruhrgebiet? Das erleben ich nur alle Jubeljahre einmal! Hier steht schon der Frühling vor der Tür und die Krokusse stecken ihre Köpfe aus der Erde, da will ich endlich Schnee erleben, lange Spaziergänge durch den Winterwald und ein paar schwungvolle Abfahrten auf Skiern machen. Dafür möchte ich nicht ganz so weit fahren wie bisher, bis in die französischen Alpen nach Valmorel, meinem „Lieblingswinterurlaubsort“. Bis dahin sind es allerdings gut 1000 Kilometer. Dieses mal geht es  Garmisch-Partenkirchen, das sind nur 700 Kilometer.

Immer wieder ein schönes Erlebnis: nach langer Autofahrt tauchen die ersten Berge auf und die Sonne färbt den Himmel orange.

Meine Ferienwohnung liegt am Ortsrand von Garmisch, die Talstation zum Hausberglift ist nur wenige Meter entfernt und von dort hat man Zugang zum gesamten Skigebiet.

Garmisch-Partenkirchen liegt am Fuße der Zugspitze,

die Kleinstadt hat Alles, was ich für ein paar schöne Urlaubstage brauche: Cafés und  Restaurants mit bayrischer Küche, aber auch einen Burgerladen, eine kleine Fußgängerzone mit den üblichen Andenkenläden, aber auch Sportartikelshops mit Skijacken jenseits der 2000 Euro-Grenze und natürlich Trachtenmode vom Dirndl bis zu Hosenträgern.

Hier herrscht noch bayerische Ruhe und Gemütlichkeit,

es gibt Berufe mit viel Tradition (von denen ich nicht einmal wusste, das es sie gibt)

und die Kirche ist so, wie ich mir Kirchen in Bayern vorstelle, sehr barock.

 

Nur ein kurzes Stück ist es mit dem Auto bis zur Albspitzbahn. Von hier aus kommt man in 10 Minuten hinauf auf die Albspitze. Man hat eine wirklich tolle Aussicht auf die Zugspitze und die umliegenden Berge. Bei gutem Wetter kann ich bis weit hinab ins Tal blicken.

Wer keine Höhenangst hat, geht von der Seilbahn aus noch ein paar Schritte bergauf und steht auf der spektakulären Aussichtsplattform.

Durch den Gitterrost blickt man mehrere hundert Meter senkrecht in die Tiefe.

Von hier aus hat man auch Zugang zu der berühmt-berüchtigten  Kandahar-Abfahrt. Sie gilt als eine der anspruchsvollsten Rennstrecken im Alpinen Skiweltcup. An einer Stelle hat sie 92% Gefälle, also fast freier Fall auf einer tiefschwarzen Buckelpiste. Kann man fahren, muss man aber nicht, es gibt eine rote Umfahrung.

 

Sieht doch gar nicht so schlimm aus …

Ein „Muß“ ist der Besuch des Berggasthof Almhütte. Nicht zu unrecht hat sie den Spitznamen „Windbeutelalm“,

denn hier gibt es die größten Windbeutel, die ich je gegessen habe. Nicht nur groß, sondern auch sehr lecker, mit deftiger oder verschiedenen süßen Füllungen.

 

Meine Wertung: ***** nett

Wernigerode ****

Februar 2019

Schon lange habe ich mich gefragt, was die Hexen eigentlich tun, wenn sie nicht in der Walpurgisnacht am 30. April auf dem Blocksberg tanzen? Sitzen sie in ihren Hexenhäuschen und backen Lebkuchen, arbeiten sie im Business-Kostüm als Unternehmensberaterinnen oder als Fleischereifachverkäuferin hinter einer Theke oder gar als Dozentin in Hogwarths?

Um dieser Frage nachzugehen, machte ich mich auf den Weg in den Harz zum Brocken. Wernigerode erschien mir der ideale Ausgangspunkt für meine Untersuchungen zu sein.

Das kleine Städtchen Wernigerode liegt am Fuße des Harzes und ist wirklich sehr sehenswert. Endlos viele wunderschöne alte Fachwerkhäuser prägen das Stadtbild.

Das alte Rathaus, eines der schönsten Gebäude der Stadt

Der Markplatz

Das schiefe Haus ist wirklich in jede Richtung schief

Die Rosengasse – mit typische hintergründigem Harzer Humor wird mit dem Namen darauf hingewiesen, dass es hier in früheren Zeiten durch die Unsauberkeit nach allem anderen als nach Rosen gerochen hat

Eine der vielen typischen kleine Gassen

Das alte Cafe Wien

Oberhalb der Stadt auf einem Hügel liegt das Schloss Wernigerode.

Nachdem ich weder in der Stadt noch auf dem Schloss Hexen gesehen hatte, machte ich mich am nächsten Tag dann auf den Weg zum Blocksberg.

Mit dem Blocksberg ist eigentlich der Brocken gemeint – und der ist von hier 16 km Fußmarsch bergauf entfernt. Zum Laufen entschieden zu viel!

Also benutzte ich die beliebte Methode aller Touristen, die gute alte Dampflokomotive. Sie stand auf Hochglanz poliert unter Dampf am Bahnhof und wartete schon auf mich.
 
Als ich in den Zug stieg, freute ich mich noch, er war angenehm leer und ich hoffte, rechts wie links aus dem Fenster heraus nach den Hexen Ausschau halten zu können.

Als es dann endlich losging, war es so voll, das ich ziemlich eingequetscht auf meinem Platz saß.

Unter Volldampf ging es mit Schnaufen und Qualmen von 300 mtr hinauf auf den 1141 mtr hohen Brocken.
 
Hexen sah ich zuerst leider keine, aber eine wunderschöne Winterlandschaft.

Aber sind das wirklich schneebeladene Tannen? Mich überkommt ein schaurig schönes Gefühl: wer ist hier in eiseskalter Nacht in diesem Zauberwald erstarrt?

Es war so eisig kalt und windig, das die Hexen auf ihren Besen spätestens jetzt eingefroren wären. Aber die Aussicht war überwältigend und Wind und Eis hatten nicht nur die Bäume erstarren lassen, sondern aus den Gebäuden Eisklötze gemacht.

An diesem Märchenwald konnte ich mich kaum sattsehen, doch ich wollte die 16 km Rückweg laufen, also machte ich mich auf den Weg.

Tiefer im Tal fing es wiederan zu schneien, und da sah ich sie plötzlich, sie saß am Wegesrand mit ihrem Besen, eine alte, schrullige, Hexe wartete auf mich…

 

Meine Wertung: ***** lohnt sich
Harz – Wernigerode – Brocken (Blocksberg)
Zugfahrt zum Brocken und zurück 46,- Euro ca. 2 Stunden

Drachenfels ****

November 2018

So schnell habe ich die Suche nicht aufgegeben. Die nächste Empfehlung für einen „Indian Summer“ in NRW war der Drachenfels am Rhein bei Königswinter.

Der Rhein hat zur Zeit Niedrigwasser, die Fahrrinne ist nur noch sehr schmal und so fahren nur kleinere und wenig beladenere Schiffe.

Der Weg auf den Drachenfels führt durch einen typisch braun und gelb gefärbten Herbstwald, vielleicht auch der großen Trockenheit in diesem Sommer geschuldet. Die schöne bunte Verfärbung mag sich nicht einstellen.  Den 245 mtr hohen Drachenfels (über dem Rhein gerechnet, 321 mtr über dem Meeresspiegel) kann man auch über die  Drachenfelsbahn erreichen, das ist natürlich gemütlicher, als zu laufen!

Im November ist die Saison allerdings vorbei, alle Einrichtungen sind entweder geschlossen oder nur am Wochenende geöffnet.

Vorbei an der Nibelungenhalle mit Museum, Drachenhöhle und Reptilienpark, spaziere ich bei strahlendem Sonnenschein den Berg hinauf.

Während der Saison hätte ich einkehren können … im November aber leider geschlossen.

Das Schloss Drachenburg aus dem Jahre 1882 ist heute ein Museum und Veranstaltungsort und Sitz der NRW-Stiftung Naturschutz, Heimat- und Kulturpflege.

Die Burgruine Drachenfels aus dem Jahre 1138.

Blick auf das Siebengebirge. Warum es Siebengebirge heißt, wo es doch über 50 Hügel sind, konnte ich nicht ergründen.

Der Aufstieg wird bei diesem schönen Wetter durch einen besonders weiten Blick auf das Rheintal belohnt.

Meine Wertung: ***** sehenswert
Königswinter
Parkplätze am Fuße der Drachenfelsbahn

Königsforst *

November 2018

Bilder vom `Indian Summer` mit leuchtend rot und gelb gefärbtem Laub haben wohl Viele schon auf Bildern aus Kanada und den USA gesehen. Aber wer kann schon eben einen Herbstausflug nach Amerika machen, um dieses Naturschauspiel zu sehen? Also suchte ich nach einer Möglichkeit in Deutschland, speziell hier in NRW, vor meiner Haustür, wo ich ‚Indian Summer‘ finden kann. Das Internet war voller Tipps und guter Ratschläge und empfahl mir in den Königsforst bei Köln fahren.

Kurze Zeit später saß ich im Auto und eine Stunde später war ich auch schon dort.

Ich fand ein sehr schönes Naturschutzgebiet mit vielen Wanderwegen und einem sehr schönen Herbstwald, aber von ‚Indian Summer‘ mit rot gefärbten Bäumen war leider keine Spur zu entdecken.

Meine Wertung: ***** lohnt nicht
Zwischen Köln, Bergisch Gladbach und Rösrath
viele Wanderparkplätze

 

Über die Alpen ans Meer und mehr *****

September/Oktober 2018

heute geht es los …

Heute startet die erste größere Tour mit dem neuen Wohnmobil.
Frühmorgens soll es losgehen … ha ha ha, das war mein Wunsch … bis die letzten Sachen im Auto verstaut waren, war es auch schon neun Uhr. Aber dann ging es endlich los, ab auf die Autobahn. Wohnmobil fahren ist sehr gemütlich, man sitzt sehr angenehm, hat von oben herab einen guten Überblick und cruist entspannt mit 120 über die Autobahn. Kurz vor Salzburg tauchen die ersten Berge auf, immer wieder ein beeindruckendes Schauspiel.

 

Salzburg

Nach einem gemütlichen Frühstück setze ich mich auf mein Fahrrad und radele in die Altstadt von Salzburg. Fünf Kilometer geht es entlang der Salzach, bis es immer voller wird und ich mein Fahrrad stehen lasse und mich zu Fuß auf Entdeckertour begebe. Zuerst gehe ich in die Getreidegasse und plötzlich bin ich von endlos vielen Touristen und Reisegruppen umringt, die sich in allen möglichen Sprachen dieser Welt auf Fotomotive hinweisen und mit ihren Smartohones die Erinnerungen mit nach Hause nehmen. Dann schlendere ich über den Marktplatz und schaue mir den Dom an.

Von weitem schon sieht man über der Stadt die gewaltige Festung Hohensalzburg, ein Muss für alle Salzburg-Besucher. Wer mag, kann den Anstieg mit der Standseilbahn bewältigen, aber ich laufe lieber. Der Anstieg wird nicht nur durch die sehr gut gepflegte Burganlage belohnt, sonder auch durch einen grandiosen Ausblick über die gesamte Stadt mit Marktplatz und Dom und Salzach.

 

Auf dem Rückweg mache ich noch einen kleinen Abstecher zum Schloss Mirabel mit seinen schönen Gärten.

 

Golling an der Salzach – Bluntursee – Wasserfall

Heute verabschiede ich mich von Salzburg und fahre weiter Richtung Süden. Die Berge, die sich rechts und links der Straße erheben sind schon toll anzuschauen und so bleibe ich nach einer knappen Stunde in Golling hängen. Vorbei an kleinen Cafés und großen Hotels finde ich letztlich einen kleinen sehr familiären Stellplatz direkt an der Salzach. Das schöne Wetter lässt mich sofort das Fahrrad nehmen und die Umgebung erkunden. So komme ich zum Bluntursee ganz in der Nähe. Kristallklares Wasser lässt Schwärme von Forellen erkennen, die Berggipfel spiegeln sich in der unberührten Oberfläche und ein paar kleine Wolken ziehen vorbei. Hinsetzen, schauen und genießen.

Nachdem ich mich stattgesehen hatte, fuhr ich um den See herum und dann weiter zum Gollinger Wasserfall. Vom Eingang waren es nur ein paar Schritte und ich stand am Fuße des 25 Meter hohen Wasserfall.

Schon ein bisschen beeindruckend, aber wenn man sich die Mühe macht zum oberen Teil des Wasserfall zu steigen, dann gibt es noch die Quelle zu bestaunen, die aus einer dunklen Höhle heraus das Wasser ins Tal schießen lässt. Auf dem Weg zum Wasserfall stürzt das Wasser durch einen 30 Meter hohen Trichter um dann über den Wasserfall ins Tal zu donnern. Sehr beeindruckend.

 

Golling an der Salzach – Lammerklamm

Über den Lammertal-Radweg fahre ich entspannte 10 km an der Lammer entlang. Nur auf dem letzten Kilometer geht es den Berg hinauf, aber diese Anstrengung lohnt sich. Hier wartet die Lammerklamm auf meinen Besuch. Hinter dem Eingang geht es rechts über Treppen und enge Steige in einen Trichter, durch den sich vor Millionen Jahren das Wasser gegraben hat. Der Weg endet in einer Sackgasse, die Aussicht ist spektakulär. Zurück geht es am Kassahäuschen vorbei immer der Lämmer entlang, der ich nun über enge Stiegen und steile Wege durch die Schlucht folge.

 

was für eine Nacht ….

Es mag zwei Uhr in der Nacht gewesen sein, als ich vom Summen einer riesigen Mücke, zumindest dem Geräusch nach war sie so groß wie eine Biene, geweckt wurde. Vorsichtig befühlte ich meinen Kopf, auf der Stirn, unter den Ohren spürte ich bereits fünf juckende Stiche. Voller Zorn stellte ich mich dem Kampf, erschlug vier von ihnen und hinterließ hässliche rote Flecken an den Wänden. Mit dem guten Gefühl, die Schlacht gewonnen zu haben, schlief ich wieder ein.

Aber ach, wie sehr hatte ich mich getäuscht! Gegen vier Uhr hat der Gegner, woher auch immer, Nachschub erhalten und mir voller Vergnügen in die Arme gestochen, jetzt begann er, mich auszusaugen. Das war zu viel! Licht an und zum Gegenschlag ausgeholt. Fünf von Ihnen blieben auf der Strecke und ich kuschelte mich, voller Siegerstolz, wieder in mein Kissen.

Wieder kam alles anders als gedacht. Ich hatte nicht mit der Kirche und dem Schützenverein gerechnet, die wahrscheinlich mit den Mücken kooperierten. Punkt sechs begannen die Glocken zu läuten und der Schützenverein knallte den ersten Böllerschuss. Es war nicht nur sehr laut, nein das ganze Wohnmobil vibrierte, wahrscheinlich standen sie mit ihrer Kanone direkt neben mir. Bumm bumm bumm ein Kanonenschuss nach dem anderen donnerte durch den frühen, noch jungfräulichen Morgen. Jetzt eine Pause, doch nein, da geht es schon weiter. Um sieben wurde auch die Feuerwehr munter und ließ alle vorhandenen Sirenen dazu erklingen. Ein beeindruckend schönes Krachkonzert. Gegen acht gab ich dann endgültig auf und versuchte vergeblich, unter der heißen Dusche gute Laune zu bekommen.

On the Road again.

Auch das Wetter hat sich entschlossen, regnerisch, kalt und nebelig zu werden, so bin ich unter dicken Wolken über die Tauern gefahren – sehr unspektakulär. Dann auf den Katschberg, und da es bereits begann zu dämmern, reichte es mir für den heutigen Tag!

 

Kranjska Gora

Die Wettervorhersage für den Sonntag im Osten Österreichs sagt Regen und Kälte voraus, mein Campingplatz in dem Ort „Rennweg“ scheint ein versteckter Hinweis zu sein – „renn weg“, also nichts wie weg, auf in Richtung Slowenien.

Kurz hinter Spittal blinzelte die Sonne doch wieder durch den wolkenverhangen Himmel, da möchte ich nicht die ganze Zeit im Auto sitzen. Spontan suche ich mir einen Waldweg, um doch noch eine kleine Wanderung zu machen.

Sehr schön, aber dieses Hinweisschild lässt mich ein schon nachdenklich werden.

be lunch or have lunch … ich habe es aber überlebt.

Kranjski Gora ich komme …

 

Triglav Nationalpark

Die Nacht war stürmisch und es regnete sehr heftig, aber der Morgen begrüßte mich mit einem klaren und strahlendblauen Himmel. Herrlich, da schmeckt das Frühstück mit Blick auf den 2472 mtr hohen Spik doppelt so gut.

Und los geht es, zuerst mit dem Rad nach Mojstrana und dann biege ich ab in das Vrata-Tal. Als das Hinweisschild „25 Grad Steigerung“ am Wegrand erscheint, gebe ich auf, das ist zu viel. Die letzten Kilometer bis zur Hütte am Aljazev Dom gehe ich zu Fuß weiter. Die Aussicht auf den 2864 mtr hohen Triglav ist einfach atemberaubend.

 

Irgendwo im Nirgendwo

Eigentlich war der Plan für heute, bis nach Udine in Italien zu kommen. Aber da es unterwegs so viel zu sehen gab, bin ich irgendwo in Slowenien an der Soca gelandet und übernachte hier.

Unterwegs schaue ich mir den malerischen Jasna-See an. Türkisblaues und kristallklares Wasser, Forellen die sanft hindurchgleiten, Enten die am Ufer gründeln, Kinder die im seichten Wasser plantschen und am Ufer herumtoben, Erwachsene die am Kiosk sitzen und angeregt miteinander plaudern und Bier trinken. Ich setze mich auf eine der Bänke und genieße den Ausblick auf die Berge und das sorglose Treiben um mich herum.

Dann fahre ich weiter Richtung Passhöhe, die Straße ist in den Kehren immer noch mit Kopfstein gepflastert, das russische Kriegsgefangene nach dem ersten Weltkrieg verlegen mussten. Zum Gedenken an die gestorbenen Soldaten wurde die russische Kapelle erbaut.

Über 27 Kehren windet sich die Straße auf 1611 mtr hoch

und bietet einen grandiosen Ausblick.

 

Cividale del Friuli

Es war kurz nach vier in der Nacht als ich, gemütlich in mein warmes Bett gekuschelt, von etwas geweckt wurde. Nein, gefroren habe ich nicht, obwohl es draußen -1 Grad kalt war, denn mein Wohnmobil hat eine gute Heizung. Ich lausche wieder in die schwarze Nacht, nichts Ungewöhnliches, kein Licht, kein Geräusch. Vielleicht habe ich auch nur geträumt. Ich drehe mich um und will weiterschlafen, da höre ich es wieder. Kein vertrautes Geräusch, kein Tier, das ich kenne, gibt solche Geräusche von sich, voller Kraft und brachialer Gewalt – das kann nur ein Bär sein. Ich lausche aufmerksam weiter, aber nichts ist mehr zu hören. Es klang auch nicht so nahe, dass ich mir Gedanken darum machen müsste, aber spannend war es schon. Ich schlief wieder ein.

Der Morgen war kalt, aber die Sonne, die von einem blauen Himmel strahlte, wärmte den neuen Tag schnell auf. Weiter geht es, heute lasse ich Slowenien hinter mir und fahre nach Italien.

Gegen elf Uhr sitze ich bereits auf der Piazza Paola Diacono und genieße Capuccino und frische Croissants. Cividale del Friuli lädt zum Bummeln und Erkunden ein. Hier ein Aperol mit etwas Fingerfood, dort etwas Käse und Schinken, hier eine historische Kirche, dort ein interessantes Museum, eine tolle Stadt. Besonder gefällt mir die Ponte del Diavolo.

 

 

Grado

Ich habe die Alpen hinter mir gelassen und freue mich, am Meer angekommen zu sein. Die Sonne lacht, der Sand ist warm, nur das Meer fehlt gerade. Da die Adria hier sehr flach ist, ist das Wasser bei Ebbe so weit weg, dass man es nur noch erahnen kann. Aber in einigen Stunden ist es ja wieder und dann kann ich durchs Wasser laufen – zum Schwimmen ist es mir zu kalt.

Grado hat eine schöne Altstadt mit einer berühmten Basilika,

 

vielen kleinen engen Gassen und gemütlichen Restaurants und Bars.

Der Hafen zieht sich wie eine breite Straße durch die Stadt.

In der Hauptsaison ist es hier sicherlich total überlaufen, jetzt in der Nachsaison ist es wunderbar friedlich.

Der Tag endet mit diesem romantischen Sonnenuntergang.

Soooo ein tolles Wetter, warm aber nicht zu heiß, strahlender Sonnenschein, aber ich habe einen Sonnenschirm und das Meer ist immer noch warm genug, um mal einzutauchen. Einfach nur ein traumhaft schöner Tag am Strand.

 

Rovinj

Angekommen! Ich wollte gerne nach Kroatien und Empfehlungen von Campern, denen ich unterwegs begegnet bin, hießen Rovinj. Die Stadt ist wunderschön.

Die Wurzeln reichen zurück bis hin zu den Römern ins 2. Jahrhundert nach Christi. Rovinj blickt auf eine sehr bewegte Vergangenheit zurück, der man beim Bummel durch die engen Gassen der Altstadt überall begegnet.

 

Über Allem thront die Kirche der heiligen Euphemia, die Anfang des 18. Jahrhundert auf den Grundmauern einer älteren Kirche errichtet wurde.

Wer mutig und vor allem schwindelfrei ist, kann den Glockenturm über eine sehr fragile Holztreppenkonstruktion erklimmen. Es lohnt sich! Von hier oben habe ich eine fantastischen Ausblick über die Stadt und den Hafen

und das strahlend blau blitzende Meer und die vielen kleinen, vorgelagerten Inseln.

 

Gardasee

Der Morgen ist trübe und kalt und auf dem Meer treiben nebelige Wolken. Schon bald wird es windig, zuerst nieselt es nur, aber kurz darauf regnet es heftig. Und in den nächsten Tagen soll es auch so bleiben, sagt die Wettervorhersage. So hatte ich mir das nicht vorgestellt. Da studiere ich lieber die Wetterbericht für die nächsten Tage, dabei bietet sich der Gardasee an. Dort soll es noch warm und sonnig sein. Also schwinge ich mich ins Auto und mache mich auf den Weg. Sehr optimistisch bin ich nicht, denn es regnet die ganze Fahrt über und am Gardasee noch viel mehr. Hoffentlich war das eine kluge Entscheidung.

 

Bardolino

Es gibt einen vorzüglichen Rotwein aus der Region, aber bei diesem schönen Sommerwetter bevorzuge ich einen Rosé, den Bardolino Chiaretto.

Es macht Spaß, durch das kleine Örtchen zu bummeln, vorbei an den vielen alten Gebäuden und Kirchen, und Restaurants und kleinen Bars, oder am Hafen zu sitzen und dem bunten Treiben zuzuschauen.

Das Wetter und der See sind noch warm genug, um ein bisschen schwimmen zu gehen.

Sonnenuntergang

 

Malcesine

Langsam nähert sich mein erster längerer Urlaub mit Ilse, diesen Namen hat mein Wohnmobil inzwischen bekommen, leider dem Ende. Ilse und ich haben uns gut vertragen und sie ist mir sehr ans Herz gewachsen. Mein letztes Ziel ist Malcesine mit seiner imposanten Burg aus dem 12. Jahrhundert, die das ganze Örtchen überragt.

 

Füssen

Auf den Bergen liegt der erste frische Schnee, der Sommer geht zu Ende, Zeit nach Hause zu fahren.

Biggesee ***

August 2018

Ich möchte für einige Tage ein Ausflugsziel in der Nähe finden, denn das Wetter ist viel zu schön, um für eine Radtour erst lange mit dem Auto zu fahren. Ich studiere die Karte, maximal eine Stunde Fahrtzeit schwebt mir vor. Egal in welche Himmelsrichtung, das Ruhrgebiet ist in alle Richtungen von schönen Zielen umgeben. Ich entscheide mich für den Biggesee, hier kann man baden, es gibt einen Radwege um den See herum, ein kleine Stadt, um ein bisschen zu bummeln, die Attahöhle und hoch über dem See eine Aussichtsplattform, zu der man wandern kann.

Am Nachmittag, nachdem ich angekommen bin, fahre ich mit dem Rad nach Attendorn. Was ich nicht wusste, Attendorn bekam bereits 1222 die Stadtrechte verliehen und war früher für seine bedeutenden Tuch- und Leinwebereien bekannt, weshalb sie in den Bund der Hanse aufgenommen wurde und sich heute noch Hansestadt nennen darf. Ein kleines, hübsches Städtchen mit einem schönen Marktplatz

und der Pfarrkirche St. Johannes Baptist.

Am Abend sitze ich gemütlich am Seeufer, schaue den letzten Schwimmern und Stand-Up-Paddlern zu und genieße den Sonnenuntergang

Am nächsten Tag setze ich mich auf mein Rad und fahre um den See. Bei den vielen Seitenarmen kann man die Tour beliebig lang gestalten, 20, 30, 40 km oder mehr, immer auf gut ausgebauten, asphaltierten Wegen.

 
Heute geht es zu Fuß los,

vorbei an der Waldenburger Kapelle

geht es hinauf zur Burgruine Waldenburg

mit einer schönen Aussicht über den See.

Den Nachmittag verbringe ich am und im See.

Am späten Nachmittag mache ich mich noch einmal auf den Weg zur Aussichtsplattform Biggeblick.

Mein Wertung: ***** erlebenswert

Triglav Nationalpark

Juni 2017
Meine Route

Im Nordwesten Sloweniens, direkt an den Grenzen zu Italien und zu Österreich, liegt ein kleiner, mir bis dahin ziemlich unbekannter Nationalpark. Benannt ist er nach dem höchsten Berg des Parks, dem 2864 m hohen Triglav. Bereits 1908 gab es Bestrebungen, die Region zu schützen und zu einem Nationalpark zu machen; bis zur Realisierung dauerte es jedoch bis 1924. Im Laufe der Jahre wurde der Park immer wieder vergrößert und umfasst heute 29.430 Hektar (294,3 qkm). Der Park ist gut erschlossen, es gibt 7000 km markierte Wanderwege, einige Klettersteige, Gasthöfe, Schutzhütten und Biwak-Lager in den Bergen.

 

Kranjska Gora

Ausgangspunkt meiner Tour ist der kleine Ort Kranjska Gora (5000 Einwohner). Mir erscheint der Ort ziemlich langweilig. Dominiert von einem großen Hotel einer internationalen Kette und ein paar anderen, teilweise sehr hässlichen, größeren Hotels.

 

Immer wieder komme ich auf meinen Wanderungen spontan mit interessanten Menschen ins Gespräch, so auch hier.

Nach dem Essen setze ich mich auf einen der Gartenstühle unter der Markise, bestelle ein Glas Aperol-Spritz. Die untergehende Sonne lässt die wenigen Wolken im gleichen Farbton wie mein Getränk erstrahlen. Meine Tischnachbarn fragen mich, was ich denn da gerade trinke, so kommen wir ins Gespräch. Sie sind aus England, sehr bereist und haben schon fast überall auf der Welt für zwei, drei Jahre gelebt. Jetzt arbeiten sie ihre Bucket-Liste (Dinge, die sie noch erleben möchten, bevor sie „den Löffel (Bucket) abgeben“.) ab. Sie kommen gerade aus Süddeutschland und sind auf dem Weg nach Italien, wo sie sich langsam von Nord nach Süd viele schöne Regionen und Städte anschauen wollen. Ich bin beeindruckt und frage höflich nach ihrem Alter, „siebzig“ ist die Antwort. Das beeindruckt mich noch mehr, bis mir klar wird, dass uns so viele Jahre gar nicht trennen! Es wird gemütlich, wir diskutieren darüber, ob man besser in Cambridge oder in Oxford studiert und wo auf dieser Welt es doch am schönsten sei. Zuletzt landen wir bei Australien, da kann ich gut mitreden, da war ich schon, und über Neuseeland, das steht auf meiner Reise-Liste ganz oben. Aber, meinen die Beiden, Neuseeland sei gar nicht so toll, fast wie Europa, wie die Schweiz… Da mischt sich plötzlich von der anderen Seite eine junge Frau ein. Sie komme aus Neuseeland, mache gerade eine dreimonatige Europa-Rundreise, und könne diese Aussage nicht so stehen lassen. Neuseeland sei völlig anders und schön und toll und absolut erlebenswert.

So verbringe ich einen fröhlichen Abend mit spannenden Geschichten und lustigen Erlebnissen von unseren Reisen, die wir uns gegenseitig zu berichten wissen. Und mein Wunsch, nach Neuseeland zu fahren, wird nur noch bestärkt.

 

Jasna See

Als ich den Ort in Richtung Süden verlasse, werde ich von einem traumhaft schönen See und einer mehr als beeindruckenden Bergkulisse entschädigt, dem Jasna See mit dem 2574 m hohem Prisojnik.

Direkt am Seeufer, zwischen den Bäumen, finde ich eine kleine Holzhütte mit Sonnensegeln und Liegestühlen, kalten Getränken und chilliger Musik. Genau mein Ding. Sollte ich nicht einfach hier sitzen bleiben, später mal ein Bier trinken, zuschauen wie der Wind den kristallklaren See kräuselt, dem Zwitschern der Vögel lauschen, beobachten wie sich die Schatten auf dem Gipfel verändern, spüren wie der Tag vergeht?

 

Russische Kapelle

Auf halbem Weg zum Vršič-Pass liegt auf 1200 m Höhe die Russische Kapelle. Sie wurde im Gedenken an russische Kriegsgefangene erbaut, die im Rahmen des ersten Weltkrieges zwischen 1914 und 1916 die Passstraße als Militärstraße errichten mussten.

Mal ist der Weg breit und führt durch lichten Wald, mal muss ich ihn suchen, weil er nur noch ein schmaler Trampelpfad ist. Es gibt viele plätschernde, aber auch reißende Bäche und manchmal eine verfallene Brücke, die ich mit Skepsis betrete. Meistens balanciere ich aber über glitschige Steine oder mache einen beherzten Sprung in der Hoffnung, nicht in dem eiskalten Wasser zu landen.

 

Da, wo der Wald eine Lichtung bildet, lege ich mich einfach in die Wiese, höre dem Summen und Brummen und Sirren der vielen Insekten zu, die zwischen den Blüten hin und her fliegen und genieße den Blick in den weiten, endlos blauen Himmel.

 

Am Ziel des Tages erwartet mich eine gemütliche Hütte. Die Verständigung mit der Hüttenwirtin gestaltet sich schwierig, wir finden keine gemeinsame Sprache. Was heißt Bretteljause auf Slowenisch? Wir lachen viel und mit Händen und Füßen klappt die Verständigung.


 

Böse Geister

Es gibt viele Sagen und Legenden, die in der Region des Triglav angesiedelt sind, und wie so oft geht es um Liebe und Verrat, um Gier und Vernichtung. Die wichtigste Sagengestalt ist der Zlatorog, ein wilder Gamsbock mit goldenen Hörnern. Es heißt, er habe hoch oben am Triglav einen Garten gehabt und sei zugleich Hüter eines verborgenen Schatzes gewesen. Ein habgieriger Jäger habe sich des Schatzes bemächtigen wollen, sich an Zlatorog herangeschlichen und ihn erschossen. Aus dem Blut des getöteten Gamsbockes sei auf der Stelle eine Wunderblume gewachsen, die Zlatorog das Leben zurückgegeben habe. In rasender Wut habe Zlatorog den Übeltäter getötet. Hernach habe er seinen Gebirgsgarten zerstört und ward nie mehr gesehen.

War hier sein Garten? Aber bei so vielen Steinmännchen droht mir hier wohl keine Gefahr.

 

Vršič-Pass

Der Vršič-Pass ist mit 1611 m der höchste Pass Sloweniens. Mit 50 Haarnadelkurven ist er ein Paradies für Motorradfahrer und eine harte Probe für Radfahrer, die sich alle hier auf der Passhöhe tummeln. Ein bisschen viel für meinen Geschmack und so mache ich mich wieder auf den Weg abseits der Straße in Richtung Triglav.

 

 

Soča-Quelle

Eine der schönsten Quellen in den Julischen Alpen ist angeblich die Soča-Quelle.
Der Weg beginnt ganz entspannt durch den Wald und überquert einige Male über wackelige Holzbrücken die Soča.

 

Ich komme zu einem kleinen Restaurant, wo ich, auf einer Holzbank sitzend, einen hausgemachten Apfelstrudel esse. Ab hier wird der Weg steiniger und steiler, der Fluss wilder und reißender, immer wieder von kleinen Wasserfällen gesäumt.

Hier beginnt dann auch der Klettersteig und es wird ein wenig abenteuerlicher.

 

Dann bin ich am Ziel, der unterirdischen Quelle der Soča. Wie durch ein Tor kann ich in eine Höhle mit einem unterirdischen See schauen. Der See läuft über und ergießt sich in einem Wasserfall durch eine schmale Schlucht ins Tal.

Ich gehe ganz nah an die Höhle heran, es ist glitschig und feucht und es kommt ein kalter moderiger Hauch aus der Höhle. Aus den Augenwinkeln bemerke ich ein Glitzern zwischen meinen nassen Schuhen, ich bücke mich und grabe zwischen den weißen Kieseln einen kleinen golden Ring heraus. Ich will ihn mir gerade in die Tasche stecken, damit ich ihn später genauer anschauen kann, da höre ich aus der Höhle ein leises, entferntes Jammern „mein Schatzzzzzz“… Ich werfe den Ring schnell wieder in den See in der Höhle und mache mich zügig auf den Rückweg.

Es ist Sonntag Nachmittag und als ich meine Tour fortsetze, komme ich an einem gemütlichen kleinen Haus vorbei.

Im Garten steht ein großer Tisch mit einigen Gläsern darauf. Fünf oder sechs Leute sitzen im Schatten auf einem Holzbalken an die Hauswand gelehnt, ein kleines Kind läuft zwischen den Erwachsenen herum und ein paar Hühner auch. In einer Hängematte lümmelt sich ein jüngerer Mann herum, der mich auf englisch anspricht und nach woher und wohin fragt und mir dann auch erklärt, dass ich mich gerade in der schönsten Gegend ganz Sloweniens befände. Ohne bisher viel von Slowenien gesehen zu haben, kann ich ihm nur zustimmen. Ich frage ihn, ob ich etwas zu trinken bekommen könne und er lädt mich ein, in den Garten zu kommen und mir ein Glas vom Tisch zu nehmen und dort drüben sei der Wasserhahn, da könne ich mich bedienen. Ich lasse mein Glas volllaufen, setze mich an den großen Tisch und genieße das eiskalte Wasser und die Umgebung und die Menschen, die einen faulen Nachmittag genießen. Ich frage, ob ich auch etwas zu Essen bekommen könne, woraufhin der junge Mann aus der Hängematte mit einer Frau, die er als seine Mutter vorstellt, spricht und kurz darauf bringt sie mir ein Stück Ziegenkäse und eine dicke Scheibe frisches Weißbrot. Es ist einfach nur köstlich. Als ich weiter will, bedanke ich mich herzlich, bezahle ein paar Euro und mache mich weiter auf in Richtung Triglav. Im Nachhinein frage ich mich, ob das tatsächlich eine Jausen-Station war, oder ob ich mich bei wildfremden Leuten einfach in den Garten eingeladen habe. So oder so – es war schön.

 

Triglav

Als ich anfing, die Tour zu planen, war ich noch so optimistisch, über den Triglav zu wandern zu wollen, er ist ja nur 2864 m hoch, keine große Herausforderung. Nachdem ich mich ein wenig mehr damit auseinandergesetzt hatte, reifte jedoch die Erkenntnis, dass ich nicht direkt über den Berg gehen wollte, 14 Stunden Laufzeit und ein großer Teil davon über Klettersteige. Da ich alleine unterwegs bin, erschien mir das ein wenig zu viel und zu unsicher. Also dann doch besser um ihn herum.

1000 m steile Wand und über 3000 m breit, das drittgrößte Massiv der Alpen.

 

Da war ein Spaßvogel unterwegs, 534 km sagt Google und 112 Stunden reine Laufzeit.

Ist das vielleicht Zlatorog? Ach ne, keine goldenen Hörner.

 

Vintgar-Klamm

So richtig spektakulär ist sie nicht, aber bei der großen Hitze ist es sehr angenehm durch die fast 2 km lange, schattige Schlucht, vorbei an fast 300 m hohen, steilen Felswänden zu laufen. Am Ende stürzt der Fluss in einen kleinen See.

 

Bled

Ein sehr schöner See, mit einer Burg, deren Grundsteine auf das Jahr 1004 zurückreichen sollen, einer Marienkapelle auf einer Insel mitten im See, zu der man sich mit Holzbooten hin rudern lassen kann. Und am Ostufer? Ein Hotel neben dem anderen…