London *****

10.09.2014

Als meine beiden 14jährigen Nichten vor ein paar Wochen Konfirmation hatten, begann die Suche nach einem originellen Geschenk. Geld? Geht auf keinen Fall! Etwas zum Anziehen  von einem angesagten Modelabel? Schenken die anderen schon! Aber sie sind noch nie geflogen, wie wäre es mit einem Rundflug in einem kleinen Sportflugzeug über das Ruhrgebiet? Gute Idee! Bis eine meiner Töchter anmerkte: Wie langweilig, für das gleiche Geld kommst du mit einem Billigflieger auch nach London. Wow – tolle Idee – da kann ich das Fliegen noch mit einer Sightseeing- und Shopping-Tour durch London toppen.

Aus der fixen Idee wurde ein konkreter Plan. Du kommst tatsächlich für 19.90 Euro pro Strecke und Person mit Ryanair von Weeze nach London und für weitere 5 Euro vom Flughafen mit dem Bus in die Stadt. Wenn du den ersten Flieger um 07:00 Uhr morgens nimmst, bist du gegen 10:00 Uhr in London-City. Gegen 18:00 Uhr nimmst du den Bus zurück zum Flughafen und bis um 22:00 Uhr wieder in Weeze. So bekommst du einen ganzen Tag in London. Ziemlich verrückt, aber eine sehr originelles Geschenk und für gerade mal 50 Euro pro Person.

Der Wecker klingelt, es ist 03:30 Uhr und die 7 Gehirnzellen, die gerade aufgeweckt wurden, fragen sich, was das denn soll. Irgendwo geht in meinem Kopf eine Leuchttafel an: „LONDON is calling!“ Ohhh nein, dann wird in meinem Kopf der Hauptschalter umgelegt und das volle Programm gestartet. Raus aus dem Bett, Kaffee aufsetzten, duschen, Brote schmieren. Kaum zu glauben, aber eine gute halbe Stunde später sitze ich tatsächlich im Auto, einen großen Becher Kaffee und zwei Brote „to go“ neben mir. Anfang September, um kurz nach vier ist es kalt und stockdunkel. Mein Navi führt mich über leere Straßen und Autobahnen und ein paar Minuten nach 05:00 Uhr stehe ich am Flughafen Weeze. Kurz darauf werden auch meine beiden Nichten gebracht, aufgekratzt, hibbelig, hypernervös, ein wenig Flugangst, aber sie freuen sich auf dieses Abenteuer.
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Als wir in die kahle unfreundliche Flughafenhalle gehen, bin ich ein wenig entsetzt. So früh und schon windet sich eine Schlange von müden, wartenden Menschen durch die halbe Abflughalle. Die Abwicklung geht zügig von statten, Tickets und Ausweise prüfen, Handgepäck durchleuchten, Wasserflaschen wegwerfen und nach kurzer Zeit sitzen wir auch schon im Flugzeug.
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Wir haben Glück und bekommen Fensterplätze. Ihre Müdigkeit haben meine Nichten längst vergessen und schauen sich immer wieder suchend im Flugzeug um und neugierig aus dem Fenster. Alle zwei Minuten fragen sie, wann es denn endlich los geht. Dann ist es endlich so weit, wir rollen auf die Startbahn und als das Flugzeug abhebt sind sie so nervös, das es ihnen doch noch die Sprache verschlagen hat. Was sich aber nach wenigen Minuten wieder legt. Sie drücken die Nasen an das Fenster sehen wie die Welt immer kleiner wird, bis die Wolken das Flugzeug einhüllen es nichts mehr zu sehen gibt. Aber kurz darauf ein begeistertes Jubeln, wir haben die Wolken durchbrochen und fliegen nun über ihnen weiter. Eine weiße Landschaft, wie mit Neuschnee überzogen, liegt unter uns. Dann geht am Horizont eine glutrote Sonne auf und macht aus der Wolkenlandschaft ein spektakuläres Farbenspiel in rot.
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Nach etwas mehr als einer Stunde sind wir dann auch schon in London, irgendwo am Ende der Welt. Direkt am Flughafen wechseln wir in den City-Bus, der uns innerhalb einer Stunde bis zum Bahnhof Victoria Station bringt, mitten in London.
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Jetzt kann es los gehen, wir stürzen uns auf die Sehenswürdigkeiten.
Die Towerbridge ist natürlich unser erstes Ziel.
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Wachablösung am Buckingham Palace.
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Ein Mahnmal für die Gefallenen des ersten Weltkriegs. Der Keramikkünstler Paul Cummins hat 888.246 Keramik-Mohnblumen installiert, eine für jeden gefallenen Soldaten. Mohnblumen sind im englischsprachigen Raum ein weit verbreitetes Symbol um den Gefallenen in Kriegen zu gedenken.
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Am späten Mittag haben die Mädels genug von alten Gebäuden.
Jetzt wollen sie shoppen.
Auf zum Picadelly Circus.
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Alles ist hier viel größer und toller als Zuhause.
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Ab und zu eine kleine Pause mit ein bisschen Live-Musik.
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Ein paar Cupcakes zur Stärkung.
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Um sechs sind wir wieder an Victoria Station und sind froh uns in den Bus setzten zu können. Puhhh sind wir erledigt. Trotz Rushhour und chaotischem Verkehr sind wir pünktlich wieder am Flughafen. Vom Rückflug haben wir wenig mitbekommen, denn wir waren viel zu Müde und haben nur noch vor uns hingedöst. Dann noch eine Stunde Rückfahrt mit dem Auto und gegen Mitternacht lag ich dann endlich todmüde im Bett.

Ein anstrengender aber toller Tag.

Meine Wertung: ***** verrückt, anstrengend, aber toll

One comment

  • Sanne

    toller & schöner Bericht

    Als ich gelesen habe:
    Eine weiße Landschaft, wie mit Neuschnee überzogen – Nostalgie 🙂

    musste ich direkt an Herrn Seelig denken
    Wir sind ja doch etliche Mal zusammen geflogen,
    und wenn wir über weiße Wolken mit blauem Himmel geflogen sind,
    hat er gesagt: am liebsten würde ich jetzt einen Spazierstock nehmen und raus gehen…

    Jau – war schon ein sehr intensiver / nahe gehender / emotionaler Kontakt zwischen uns.
    Vor seinem ‚Weggang‘
    war ich sein Sprachrohr –
    ohne mich hat er keinen Termin zum Projekt wahr genommen.
    Und er ist an seiner Loyalität zum Schröder ‚Kaputt‘ gegangen.
    Er wurde als Bauer/Turm geopfert.
    Wir haben uns noch eine Zeit lang zum Essen getroffen.

    Doch nach ein / zwei Jahren hat er mich gebeten, den Kontakt abzubrechen –
    absolut nix gegen mich: zu viele Erinnerungen….
    wie mann / frau Menschen kaputt machen kann…

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