Bochum – Harpener Teiche ***

30.05.2014

Hast du schon einmal etwas von Ewigkeitslasten gehört? Hört sich gewaltig an, ist es auch.

Ab Ende 2018 wird in Deutschland keine Steinkohle mehr aus der Erde ans Tageslicht gefördert. Aber die Folgen des Jahrhunderte langen Abbaus werden uns Menschen im Ruhrgebiet auf Ewigkeit begleiten.

In den 14800 ehemaligen Schachtanlagen sammelt sich unter Tage ununterbrochen salz- und säurehaltiges und mit vielen Giftstoffen belastetes Grubenwasser. Damit würde das Grundwasser und somit auch unser Trinkwasser kontaminiert werden. Durch den intensiven Kohleabbau sind weite Teile des Ruhrgebiet in den vergangenen 100 Jahren um bis zu 25 mtr großflächig abgesackt. Das Grundwasser drückt nach oben und würde diese abgesackten Flächen überfluten. Essen wären dann Venedig – nur nicht so schön.

Aus diesen Gründen fördern rund um die Uhr, an 365 Tagen im Jahr, bis in alle Ewigkeit, 1115 Pumpen Wasser aus bis zu 1200 mtr Tiefe an die Oberfläche, um es gezielt abzuleiten.

Diese Pumpen müssen natürlich auch bis in alle Ewigkeit gewartet werden. So kann es schon einmal passieren, das sich ein Landwirt meldet, weil seine Kühe auf der Weide plötzlich bis zum Euter im Wasser stehen. Ein sicheres Zeichen, das eine Pumpe ausgefallen ist.

Billig ist die Rettung des Ruhrgebietes nicht, Betrieb und Unterhalt der Pumpen kosten jährlich 55.000.000 Euro, bis in alle Ewigkeit, Jahr für Jahr.

Ich bin zu den Harpener Teichen gefahren, dort wollte ich mir anschauen, wie Wasser aus 500 mtr Tiefe der ehemaligen Schachtanlage Robert Müser an die Oberfläche in die Harpener Teiche gepumpt wird.

Die zwei Teiche liegen etwas versteckt. Ich habe den Wagen in der Nähe geparkt und bin das letzte Stück gelaufen.
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Sehr idyllisch, umgeben von ein wenig Wald.
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Ich bin um den See gewandert, ein sehr schöner Spaziergang. In der nordöstlichen Ecke fand ich dann die „blaue Lagune“.
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Das Wasser ist wirklich so blau (das Bild ist nicht gephotoshopped). Einen Wehrmutstropfen gibt es jedoch: es stinkt faulig und nach Schwefel. Deshalb gibt es am Ufer wahrscheinlich auch kein Ausflugslokal.
Hier sprudelt das konstant 20 Grad warme Grubenwasser aus der Tiefe.
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Wie giftig das Grubenwasser ist, kann man an diesen mutierten, einbeinig Gänsen sehen 😉 (just kidding, das Wasser hat fast Trinkwasserqualität)
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Meine Wertung: ***** gut
Werner Straße / Kreuzung Müserstraße
44894 Bochum

2 comments

  • Sanne

    wie kommst auf diese Ideen?
    Hi und dort hinzuschauen?

    • vaneerd

      Hi Susanne,
      je mehr ich mich mit meiner Heimat dem Ruhrgebiet beschäftige, desto mehr Ideen und Hinweise und spannende Plätze finde ich. Ein echt spannendes Abenteuer
      Liebe Grüße
      Ortwin

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