Gelsenkirchen – Zeche Consol ***

26.03.2014

Zeche Consolidation Schacht 3 / 4 / 9 – Gelsenkirchen-Bismarck. Offiziell heißt sie Consolidation, aber die Menschen, die hier leben und arbeiteten, nennen sie einfach nur Consol.

Die Vorgeschichte des Steinkohleabbau an dieser Stelle lässt sich bis 1848 zurückverfolgen. Bereits 1871 wurde hier Schacht 3 in Betrieb genommen, 1895 Schacht 4 und 1922 Schacht 9.

Zur Blütezeit des Bergbaus arbeiteten hier 5800 Mitarbeitern im 4-Schicht-Betrieb. Jährlich wurden bis zu 3.400.000 Tonnen Kohle gefördert. Der tiefste Schacht reichte bis auf 1200 mtr unter Tage.

1993 wurde die Förderung auf Consolidation 3 / 4 / 9 eingestellt.

Von der einstigen Betriebsamkeit, den vielen Menschen, dem Lärm der Loren, den sich drehenden Rädern auf den Fördertürmen ist nichts mehr zu spüren. Der Geruch der Maschinen, von Diesel und Schmieröl ist verflogen. Der allgegenwärtige Kohlestaub ist längst verweht. Die Bedeutungslosigkeit ist offensichtlich, das geschäftige Treiben hat sich auf die gegenüberliegende Shopping-Mall verlagert. Um die verbleibende kleine Anlage herum ist auf ehemals riesigen Werksgelände ein Park entstanden, wenige Menschen finden die Muße ihn zu nutzen.
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Die eigentliche Zeche auf wenige Gebäude geschrumpft. Der Förderturm von Schacht drei ist verschwunden. Wie ein Mahnmal ragt der kalte und abweisende Beton-Förderturm von Schacht 4 in den Himmel.
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In den Gebäuden um Schacht 4 ist auch das Consol-Theater, ein Kinder- und Jugendtheater, untergebracht.
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Der stählerne Förderturm Schacht 9 aber weckt Erinnerungen ein sich drehende Räder und Förderkörbe.
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Aber je näher ich zu dem Gebäude von Schacht 9 gekommen bin, desto ernüchternder war der Anblick, denn der Verfall ist allgegenwärtig und es macht sich in mir eine gewissen Beklommenheit breit.
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Der Imposante Förderturm steht über einer Halle die vom Verfall gekennzeichnet ist.
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Als ich hier mit meinem Fotoapparat stand, sprach mich ein älterer Mann an und fragte, ob ich denn wisse, was ich da fotografiere. Ohne meine Antwort abzuwarten, erzählte er mir, das in dieser Halle
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früher die vollen Loren mit der Kohle hochgefördert wurden und innerhalb der Halle auf einem Schienenkranz gefahren und entladen wurden und die leeren Loren wieder unter Tage transportiert wurden. Er erzählte von Zügen und Lastern mit denen die Kohle abtransportiert wurde, von der Kohlenwäsche in der Gestein von der Kohle getrennt wurde, von der Sortierung der Kohleklumpen, die kleinen für den Hausbrand und großen für die Befeuerung in Eisenbahnen und Schiffen. Er erinnerte sich an Schichtbeginn und Schichtende, wenn über 1000 Kumpel gleichzeitig am Pförtnerhaus ihre kleinen Blechmarken mit der Personalnummer registriert ließen und die Waschkauen bevölkerten. Ich habe ihm gerne zugehört, er hatte sehr viel Erfahrung und war ein amüsanter Erzähler. Auch wenn manche Geschichten in der Erinnerung schöner sind als das wahre Leben. Er war bereits 1954 als Lehrling „auf Consol“ und seine ersten Monate verbrachte er damit an einem Förderband zu stehen, Gesteinsklumpen aus der vor ihm vorbeilaufenden Kohle herauszugreifen und hinter sich zu schmeißen. Er lachte über diese Arbeit, aber sie war bestimmt eintönig und schwer für einen 14jährigen Jungen.
Da geht er hin mit seiner Einkaufstüte und seinem großen Rucksack voll Erinnerungen.
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Meine Wertung: ***** gut
Bismarkstraße
Gelsenkirchen

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