Bottrop – Zeche Prosper Haniel *****

Jetzt habe ich schon so viel über Zechen und Halden geschrieben, aber das eigentliche Leben spielt sich in ihnen unter Tage ab.

Das, was für die Bergleute tägliche Routine und harte Arbeit ist, war für mich ein außerordentliches Privileg. Ich durfte auf der Zeche Prosper Haniel eine Grubenfahrt erleben. Ein tolles, unvergessliches Erlebnis.
Man geht nicht in Straßenkleidung unter Tage. Ich werde komplett neu eingekleidet, Socken, Unterwäsche, Arbeitsanzug, dazu natürlich noch Sicherheitsschuhe, einen Schutzhelm mit Lampe und einen groben Gürtel mit den Batterien.
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Dann wird es ernst, mit Rattern und Rasseln öffnet sich die metallene Gitterschiebetür des Förderkorbs. Fotos gibt es ab hier leider keine, aus Sicherheitsgründen darf ich keine Gegenstände mitnehmen. Kohlestaub und Grubengas können durch elektrisch betriebene Geräte sehr schnell entzündet werden, was zu heftigen Explosionen führen kann. Alles wirkt sehr grob und martialisch, aber eigentlich ist der Förderkorb nichts anderes als ein Fahrstuhl. Zwanzig Leute passen hinein, es gibt keine Beleuchtung im Förderkorb, nur unsere Stirnlampen spenden Licht. Es wird ruhiger, die Scherze und das Lachen verstummen. Dann wird die Gittertür zugezogen und wenige Sekunden später setzt sich der Korb langsam ruckelnd und knirschend in Bewegung. Besser, ich halte mich gut fest, denn nach vorsichtigem und langsamen Anfahren es ruckelt und wackelt Es weitaus mehr, als in einem normalen Fahrstuhl. Dann wird die Fahrt schneller und rasanter, bis wir mit 10 Meter pro Sekunde (!) in die Tiefe rasen. Die Fahrt dauert keine 5 Minuten, dann sind wir an unserem Ziel angekommen. Rasselnd öffnet die Gitterschiebetür. Ich trete aus dem Förderkorb und befinde mich in einer kleinen Höhle in 1200 Meter Tiefe. Nicht sehr groß, vielleicht 10 mal 10 Meter und 4 Meter hoch. Sie ist schwach von einigen Lampen erleuchtet. Ein mulmiges Gefühl, soviel Erde über mir zu wissen. Vereinzelte Gänge gehen in unterschiedliche Richtungen ab. Es ist warm. Hier und da stehen Maschinen und Geräte herum.

Zu Fuß marschieren wir in einen der Gänge hinein, wir werden ein paar Hundert Meter laufen müssen, um zur Kohle zu kommen. Tief unten in der Erde sind die meisten Bergwerke über viele Kilometer lange Schächte miteinander verbunden. Dann erreichen wir ein Förderband, auf dem Kohle transportiert wird. Genug gelaufen, ab jetzt lassen wir uns transportieren. Einer nach dem anderen legen wir uns auf dem Rücken flach auf das Förderband. Wiederholt werden wir ermahnt, nicht den Kopf zu heben, da knapp über dem Förderband Hindernisse vorhanden sind. Dann geht die Fahrt los. Gefühlt rasend schnell saust das Förderband dahin, mal durch große Gänge, dann wieder nur ein paar Zentimeter unter der Decke entlang. Nein, ich habe wirklich nicht das Bedürfnis den Kopf heben zu müssen, um zu sehen wohin die Fahrt führt. Dann sind wir da, vor Ort, langsam, froh es überlebt zu haben,  krabbeln wir wieder vom Förderband herunter.

Es ist laut, es ist staubig von der Kohle, es ist heiß, bestimmt weit über 30 Grad, unter den Füßen spüre ich ein stetiges Rumoren. Hier wird „malocht“, hier wird Kohle abgebaut. Es ist beeindruckend, unter welchen Bedingungen hier gearbeitet wird.
Diese dicken hydraulischen Stempel sorgen dafür, dass der Berg nicht einbricht. Sie stemmen mehrere Tonnen schwere Decken in den Stollen.
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Dreißig, fünfzig Stück davon stehen im Stollen Stempel an Stempel und direkt davor läuft ein mannsgroßer Bohrer entlang, der die Kohle aus dem Berg kratzt.
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Die herausgebrochene Kohle fällt auf ein Kettenförderband und wird abtransportiert.
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Immer dann, wenn der Bohrer einmal an der Kohle entlang geschrappt ist und sie herausgebrochen hat, ziehen sich die Stempel hinter mir zusammen, schieben sich ein paar Zentimeter vor und spannen sich erneut. Ihr könnt euch gar nicht vorstellen, wie unheimlich das ist, man hört, wie der Berg hinter den Stempeln herunterbricht und in den entstandenen Hohlraum poltert. Richtig gruselig, da konnte ich nur hoffen, dass sie dem Druck von 1200 Metern Gestein über mir gewachsen sind. Sind sie!

Ein super, super spannendes Erlebnis, trotzdem bin ich erleichtert, nach ein paar Stunden wieder frische Luft an der Oberfläche atmen zu können. Zur Entspannung gibt es – was auch sonst – Mettbrötchen mit Zwiebeln und Schnaps.
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Meine Wertung: ***** ein absolutes Muss !!!
Bottrop
Fernwaldstraße
Zeche Prosper Haniel

 

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