Mit dem Wohnmobil durch Italien – Abruzzen

Tag 38 Gran Sasso Nationalpark

Der Campingplatz Funivia del Gran Sasso liegt direkt gegenüber der Seilbahn, bei der die Bergstation der Ausgangspunkt für Hochgebirgswanderungen ist. Schon die Fahrt mit der Seilbahn ist ein Erlebnis, immer die noch mit Schneeresten bedeckten knapp 3000m hohen Berge vor mir und unter mir der Fußweg, schmal und steil und durch Schluchten.

Oben angekommen, habe ich in alle Richtungen eine wunderbare Aussicht

 

Tief unten im Tal liegt irgendwo L’Aquila

Ich mache mich auf, die Hütte Refugio Duca degli Abruzzi in 2488 m Höhe zu erreichen. Das Hinweisschild spricht von 40 min Fußweg.

Geschafft! Von hier aus habe ich einen unglaublichen Rundumblick, auch auf beide Bergseiten, grandios und beeindruckend.

Auf der Hütte komme ich mit zwei Italienern ins Gespräch. Sie haben eine große Portion Polenta mit Tomatensoße und Salsiccia-Würsten vor sich und essen hingebungsvoll. Das sei das Nationalgericht in den Abruzzen, behaupteten sie. Dazu trinken sie Rotwein, gemischt mit Zitronenlimonade, angeblich lecker und erfrischend. Bei Gelegenheit probiere ich das auch einmal – ich bin aber skeptisch, ob mir das schmeckt!

 

Tag 37 L´Aquila

Auch heute ist der Weg das Ziel. Wie wunderbar wild ist diese Bergwelt, über die enge Straße erreiche ich schon bald das nächste Tal mit dem Lago die San Domenico, seitlich fließt aus einem tiefen Spalt ein wilder Wasserzulauf, über eine Brücke über den See erreiche ich die Grotte eines Eremiten.

Es sind nicht viele Menschen unterwegs, auf den Straßen kommen mir selten Fahrzeugen entgegen, die Orte wirken verschlafen, ja fast ausgestorben. Aber diese Bergwelt!

Auf den steilen Bergen liegen noch Schneereste, unterwegs fahre ich an tiefen Schluchten vorbei, auch die Straße ist häufig in den Berg gefräst. Einige „Tunnel“ sind Felsüberhänge, unter der die Straße herführt.

Ich fahre immer weiter die Bergstraße hoch, bei 1700 m ändert sich die Vegetation, die Bäume werden weniger und es gibt auf einem Plateau weite Wiesen, auf denen auch Kühe grasen.

Im Ort Rocca di Mezzo mache ich eine kleine Pause in einer Bar gegenüber einem großen Kastell. Wie immer, sitzen die alten Männer des Ortes vor der Bar zum täglichen Schwatz. Der Rotwein wird hier mit Zitronenlimonade getrunken, Kick und erfrischend 😉 – ich überlege mir, das mal auszuprobieren.

Ich umrunde das Kastell,

laufe durch die alten Gassen und fahre weiter in Richtung D´Aquila. Die ganze Gegend ist vom Wintersport geprägt. Ich sehe viele Neubauten, die offensichtlich leer stehen und wohl als Ferienapartments gebaut wurden. Auch die Pisten kann man auf den Bergen gut ausmachen, an den Stellen gibt es keine Vegetation.

In D´Aquila finde ich direkt am Stadteingang einen öffentlichen Stellplatz für mein Wohnmobil, Bäume spenden Schatten und eine Servicestation gibt es auch. Ich lasse mein Wohnmobil hier stehen und laufe in die Altstadt. Wie sieht es denn hier aus? In der gesamten Altstadt sind Bauzäune vor den Gebäuden, eingerüstete Fassaden und jede Menge Baukräne. Wahrscheinlich sind das immer noch Restaurierungsarbeiten des schweren Erdbebens von 2009.

So habe ich mir diesen Nachmittag nicht vorgestellt! Schnell entschlossen fahre ich noch ein paar Kilometer weiter und bleibe finde einen Campingplatz im Gran Sasso Nationalpark.

 

Tag 36 Scallo

Weiter geht es hinein in die Abruzzen. Bisher habe ich ja nur Hasen, Vögel und Frösche gesehen. Dabei gibt es doch in dieser wilden Gegend auch Bären, Wölfe, Luchse…
Immer wieder halte ich am Straßenrand an, um die wilde Landschaft zu bewundern und zu fotografieren. Schroffe, hohe Berge, dichte Wälder und kaum Besiedlung.

Nur ab und zu ein einsames Örtchen hoch in den Bergen. Die Straße ist ausnahmsweise einmal gut befahrbar, relativ wenige und nicht ganz so tiefe Schlaglöcher. Es geht bis auf 1700 m hinauf, auf der Passhöhe Godi grasen einige Kühe und in einiger Entfernung sehe ich Schafe und Ziegen auf der Weide.

Überall stehen Hinweisschilder, die auf Bären, Wölfe und Luchse hinweisen.

Da müsste ich vielleicht doch einmal in aller Herrgottsfrühe aufstehen, um eines der wilden Tiere zu sehen – oder ich warte, ob sie an die WoMo-Tür klopfen…

Mein Ziel für heute ist das malerische Örtchen Scallo, es liegt auf 1000 m Höhe und schmiegt sich mit seinen schönen alten Häusern eng an den steilen Berg. Zwischendurch öffnet sich der Blick in den Nebensträßchen auf die Bergwelt, in der ich etliche Skilifts erkennen kann. Es geht wie immer steil bergab oder bergauf, aber ich werde in einer Bar mit einem Cappuccino belohnt und erfrischt.

Der Campingplatz hoch über dem Lago di Scallo liegt wieder landschaftlich sehr schön auf einer großen Wiese und ist menschenleer. Außer mir sind noch 2 andere Camper in Sichtweite. Ich genieße den Blick auf die umliegende Bergwelt und den grünen See.

 

Tag 35 Barrea

Der Platzbesitzer erklärt mir, wie ich am See entlang nach Barrea laufen kann. Über Schotter, durch ein Wäldchen, über eine Brücke, immer wieder an Pferdekoppeln entlang, erreiche ich den Ort.

 

Die Sonntagsruhe von gestern ist in eine Mittagsruhe von jedem Tag übergegangen. Eine einzige Autofahrerin, die ihren Wagen gerade parkt, frage ich nach einer Bar. Die gibt´s aber nur, wenn ich mich an den Aufstieg über die mindestens 1000 Treppenstufen in die obere Stadt mache.

Also halte ich mich an mein Wasser aus dem Rucksack. Auf dem Rückweg bekomme ich doch noch eine Stärkung: unterwegs hat eine kleine Bar mit einem großen Garten geöffnet.

Abends fache ich wieder mein Lagerfeuer an und schaue auf den ruhigen See und die schön beleuchtete Stadt. Dann erinnere ich mich an meine Kindheit, da war doch was mit Kartoffeln, die man einfach in die heiße Glut legt. Ich probiere es aus, suche mir aus meinem Vorrat eine dicke Kartoffel und lege sie vorsichtig in die heiße Glut. Nach einer halben Stunde schneide ich sie auf und – mhhhh ein köstlicher Duft strömt mir entgegen. Sie schmeckt einfach nur lecker, nach Kindheit und Erinnerungen.

 

Tag 34 Barrea

Genug Meer, genug große Hitze, heute Morgen fahre ich los in die Berge. 

Mein nächstes Ziel sind die Abruzzen, da erhoffe ich mir in luftiger Höhe etwas Abkühlung. Zurück über Neapel geht es erst einmal in die Ebene, die von bereits abgeernteten Getreidefeldern durchzogen ist. In der Ferne sehe ich die ersten Berge und schon bald wird die Gegend einsamer, die Wälder dichter und das Gebirge höher.

Überrascht werde ich von der Basilica dell’Addolorata di Castelpetroso, das große Gebäude steht weitab von jeder Ortschaft mitten im Gebirge.

Es ist Ausflugs- und Wallfahrtsort für viele Italiener. Auf dem Parkplatz stehen allein 8 Reisebusse.
Die Straße gibt immer wieder den Blick auf die beeindruckende Bergwelt der Abruzzen. Es geht immer weiter bergauf und schon nach kurzer Zeit sehe ich auf den hohen Bergen Schneereste blitzen. Mein Ziel ist der Lago Barrea im Teil L´Aquila der Abruzzen.
Barrea liegt wie ausgestorben, Sonntagsruhe im ganzen Ort.

Ich finde den Campingplatz Colle Ciglio und bin hellauf begeistert: direkt am See, auf einer riesengroßen Wiese, ist das Camparreal. Außer mir ist noch ein schwedisches Paar dort, und weit hinten, hinter Büschen, zeltet wohl noch jemand. Ich schaue vom Wohnmobil direkt auf den See, die Berge und Barrea.

Auf der großen Wiese sind einige Feuerstellen vorbereitet. Abends kann ich beim Platzbesitzer Feuerholz kaufen. Es wird nämlich empfindlich kühl, aber am Lagerfeuer, mit entsprechender Kleidung, ist es wunderbar romantisch. Die Grillen zirpen, die Frösche stimmen ein Froschkonzert an, eine einsame Kuhglocke bimmelt und, um es perfekt zu machen, geht der Vollmond hinter den Büschen auf.