Monthly Archives: Januar 2015

Bremerhaven – Auswandererhaus *****

19.01.2015

Guten Tag, mein Name ist Karl Lämmle, ich bin am 17. Januar 1867 im schwäbischen Laupheim geboren. Meiner Familie geht es nicht schlecht, meine 7 Geschwister und ich brauchen nicht hungern, obwohl wir, wie fast alle unsere Nachbarn auch, in recht ärmlichen Verhältnissen leben.

Heute ist der 28. Januar 1884. Mit dem Zug bin ich nach Bremerhaven gekommen, eine lange Fahrt, fast einen ganzen Tag lang. Vom Bahnhof bin ich hierher gelaufen. Jetzt stehe ich im Regen, mein dicker Wollmantel wird schwer und nass. In der Hand trage ich einen kleinen Koffer, mit allem was ich besitze, eine Hose, drei paar Socken, zwei Hemden, etwas Wäsche. Und die Bibel, die mir meine Mutter in den Koffer gelegt hat. Es war ein schwerer, tränenreicher Abschied. Ein Abschied für immer. Neben mit steht mein guter Freund Leopold Hirschfeld. Wir stehen wortlos am Kai und schauen auf die Neckar, das Auswandererschiff, das uns und fast 1000 andere Menschen nach New York bringen wird. Nach Amerika, dem Land unserer Träume.

Ich drängle mich zusammen mit den Anderen, mit Männern und Frauen die alleine sind, Familien mit Kindern und schreienden Babies in eine der überfüllten Wartehallen. Es ist zwar voll, aber wenigstens warm und trocken. Es wird in dem vollen Warteraum kaum gesprochen, in den Gesichtern zeichnen sich Angst und Sorge ab, Erwartung und Hoffnung.
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Ich habe das große Glück, die Überfahrt nach Amerika mit einem modernem Dampfschiff machen zu können. Nur noch 15 Tage dauert die Überfahrt, vor zwei, drei Jahren hat die Überfahrt mit einem Segelschiff noch, je nach Wetterlage, bis zu 12 Wochen gedauert. Mit mir stehen hunderte Auswanderer im Hafen vor der Bordwand der Neckar und warten darauf, das wir einschiffen dürfen. Ihre wenige Habe tragen sie in kleinen oder größeren Koffern mit sich. Kein Lachen, kein Kindergeschrei, versteinerte Gesichter, angstvolle Blicke. Die graue, finstere Bordwand türmt sich vor mir auf. Ich bin froh, das mein Freund Leopold neben mir steht.
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Ein letzter Blick von der Gangway zurück. Einige wenige Auswanderer verlässt in letzter Minute der Mut, sie bleiben am Kai zurück und kommen nicht mit an Bord. Für mich gibt es keine Heimkehr.
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Ich drängele mich mit einer schubsenden und aufgeregten Menge durch das Innere des Schiffs auf der Suche nach meiner Kabine
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Meine Kabine teile ich mir mit 17 anderen Passagieren. Mein Freund Leopold liegt in der Koje direkt neben mir. Die Kabine hat kein Fenster, an dem kleinen Tisch haben immer nur 8 Menschen Platz.
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Für 200 Auswanderer gibt es jeweils einen kleinen Waschraum und ein Wasserklosett.
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Die 15 Tage an Bord sind unerträglich. Die Enge, die Gerüche der Menschen, das heisere Husten und Röcheln, das Schnarchen in der Nacht. Viele der Auswanderer halten es mit der Körperhygiene nicht sehr genau und sind auch nicht mit der Benutzung des Klosetts vertraut. Das Essen ist so schlecht, das ich mich zwingen muss, es zu mir zu nehmen. Viele leiden unter der Schiffskrankheit und der Geruch nach Erbrochenem mischt sich mit den anderen üblen Gerüchen.

Amerika – ich komme
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Durch lange, nach scharfen Desinfektionsmittel riechende Gänge werde ich zur Einwanderungsbehörde geleitet.
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Ich fühle mich fast wie in einem Gefängnis. Gitter, bewaffnete Polizisten, die mich und die anderen Einwanderer mit strengen Blicken mustern. Dann bin ich endlich an der Reihe und stehe vor einem Pult, meinen Koffer mit bangem Griff fest in der Hand. Der Beamte hinter dem Pult stellt mir sehr viele Fragen, ob ich krank bin oder schon einmal im Gefängnis gesessen habe, ob ich lesen und schreiben kann, ob ich mindestens 10 Dollar besitze oder gar mit zwei Frauen gleichzeitig verheiratet bin. Dann drückt er mit einem lauten Knall einen Stempel auf meine Papiere und winkt mir barsch zu, das ich weitergehen sollte.
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Ich bin da! Mein Traum – Amerika!
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Hier ist die Geschichte von Karl Lämmle eigentlich zu Ende.
Die spannende Frage ist jedoch, was ist aus seinem Traum geworden?
Wir haben immer noch das Jahr 1884, Karl hat seinen Namen angepasst und heißt jetzt Carl Laemmle; in seiner ersten Stelle arbeitet er als Laufbursche. Sein Traum, im Land der unbegrenzten Möglichkeiten von Tellerwäscher zum Millionär zu werden, ist in Erfüllung gegangen. 1910 gründete er die heutigen Universal Studios und wurde zu einem der großen Filmproduzenten Amerikas.

Woher ich das alles weiß?
Ich war im Auswandererhaus in Bremerhaven.
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Am Eingang bekommst du als „Bordkarte“ die Identität einer der vielen Auswanderer aus den letzten Jahrhunderten, die dich durch das Museum begleitet. Von der Kaimauer, an der das Auswandererschiff angelegt hat, bis zur Ankunft in Amerika verfolgst du „deinen“ Auswanderer und erhältst mit der Karte an vielen Lesegeräten allgemeine und ganz persönlich Informationen zu seinem Schicksal.

Das Museum ist sehr detailliert und liebevoll aufgebaut und ich habe mehrere Stunden dort verbracht. Ich hatte das Glück, an einem regnerischen Wochentag dort sein zu können und war fast allein im Museum. Das war sehr authentisch, denn überall hört man die Maschinen stampfen und quietschen, die Matrosen reden, in den Kojen liegen die Auswanderer, schnarchen und husten.

Meine Wertung: ***** absolut lohnenswert
Deutsches Auswandererhaus
Columbusstraße 65
D-27568 Bremerhaven

Ochtrup – FOC Outletcenter **

16.01.2015

Das Outletcenter Ochtrup lockt mit über 100 Marken, untergebracht in einer großen Halle und im Außenbereich, der einem Müsterländer Dorf nachempfunden ist. Nett anzusehen, aber weit, weit in der Münsterländer Pampa, nahe der holländischen Grenze. Es werden häufig erhebliche Preisnachlässe gewährt, aber die Anfahrt aus dem Ruhrgebiet ist sehr weit, der Ort liegt noch ca. 50 km nordöstlich von Münster und man braucht von Bochum eine gute Stunde.

Der Außenbereich versucht den Eindruck eines kleinen Münsterländer Dörfchen zu vermitteln.
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Der Innenbereich ist großzügig gestaltet und zumindest an einem Freitagvormittag entspannt leer.
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Meine Wertung: ***** kann man, muss man aber nicht – obwohl ich mir sehr günstig Markenjeans gekauft habe
Laurenzstraße 55
48607 Ochtrup

Münster – Wochenmarkt ***

10.01.2014

An einem trüben Wintertag kann man auf einem bunten Wochenmarkt gute Laune tanken. In Münster, am St.-Paulus-Dom, soll es einen besonders schönen, großen Bauern- und Wochenmarkt geben.
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Hier kann man sich von den bunte Farben der Blumen betören lassen,

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Blumen entdecken, die es hier eigentlich gar nicht gibt, blühender Eukalyptus,

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frisches Gemüse aus dem Münsterland einkaufen,
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kleine Leckereien ausprobieren,
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frische Landeier für das Sonntagsfrühstück mitnehmen,
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die Nase vom Duft der vielen Käsesorten verwirren lassen,
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überlegen was man mit Quitten, außer Gelee und Marmelade, noch anderes kochen kann,
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darüber nachdenken, ob eine Kartoffelprobe so lustig ist wie eine Weinprobe
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und natürlich auch die Menschen beim Einkaufen beobachten (nein, gelästert wird nur ein ganz klein wenig).

Anschließend, wenn die Einkaufstüten gefüllt sind und man so richtig durchgefroren ist, gibt es in der Altstadt, in einem der vielen Cafés, einen großen Becher Kakao mit Sahne.

Meine Wertung: ***** gut
St.-Paulus-Dom
Domplatz 28
48143 Münster

 

Dortmund – DASA **

09.01.15

Was soll man an einem regnerischen Januartag auch schon groß machen? Ins Museum? Ja okay, da finde ich die DASA spannend! DASA, die Deutsche ArbeitsSchutzAusstellung, klingt nicht wirklich interessant, deshalb trägt sie heute auch den Titel Deutsche Arbeitswelt Ausstellung. Hier wird versucht, auf 13000 qm die Arbeitswelt von gestern, heute und morgen darzustellen, mit vielen Exponaten zum Anschauen aber auch zum Anfassen und Ausprobieren. Die Ausstellung richtet sich nicht nur an Erwachsene, die mit der Arbeitswelt bereits vertraut sind, sondern besonders auch an Kinder.
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Ein Blick in die Vergangenheit, Spinnmaschinen,
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Webstühle
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und Druckmaschinen aus unterschiedlichen Zeiten.
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Dies war übrigens mein erster „PC“, den ich 1979 gebraucht für 2000 DM gekauft habe (mehr als ein Monatsgehalt). Datenspeicherung auf eine Tonband-Cassette (lol, wer erinnert sich?) und Hauptspeicher von 8K (lol, ja 9172 Bytes, heute hat ein PC meist 4.384.00 Bytes = 4GB).
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Etwas Ruhrgebietsnostalgie gibt es auch, einen elektrischen Stahlkocher.
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Im medizinischen Bereich wird man über aktuelle Themen der Medizin (Erkennen und Heilen) informiert.
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Auf dem Weg durch die Ausstellung gibt es einige Stellen, an denen man Versuche und Experimente durchführen kann. Leider funktionieren viele Exponate nicht mehr richtig oder sind defekt, das mindert den Spaß erheblich.

Mir haben die historischen Maschinen gut gefallen, aber es fehlt der rote Faden durch die Ausstellung. Zwischen den einzelnen Exponaten fehlte der Zusammenhang. Auch die Gegenüberstellung gestern – heute fand kaum statt.

Meine Wertung: ***** muss man nicht unbedingt besuchen
44149 Dortmund
Friedrich-Henkel-Weg 1-25