Category Archives: Wohnmobil

Wernigerode ****

Februar 2019

Schon lange habe ich mich gefragt, was die Hexen eigentlich tun, wenn sie nicht in der Walpurgisnacht am 30. April auf dem Blocksberg tanzen? Sitzen sie in ihren Hexenhäuschen und backen Lebkuchen, arbeiten sie im Business-Kostüm als Unternehmensberaterinnen oder als Fleischereifachverkäuferin hinter einer Theke oder gar als Dozentin in Hogwarths?

Um dieser Frage nachzugehen, machte ich mich auf den Weg in den Harz zum Brocken. Wernigerode erschien mir der ideale Ausgangspunkt für meine Untersuchungen zu sein.

Das kleine Städtchen Wernigerode liegt am Fuße des Harzes und ist wirklich sehr sehenswert. Endlos viele wunderschöne alte Fachwerkhäuser prägen das Stadtbild.

Das alte Rathaus, eines der schönsten Gebäude der Stadt

Der Markplatz

Das schiefe Haus ist wirklich in jede Richtung schief

Die Rosengasse – mit typische hintergründigem Harzer Humor wird mit dem Namen darauf hingewiesen, dass es hier in früheren Zeiten durch die Unsauberkeit nach allem anderen als nach Rosen gerochen hat

Eine der vielen typischen kleine Gassen

Das alte Cafe Wien

Oberhalb der Stadt auf einem Hügel liegt das Schloss Wernigerode.

Nachdem ich weder in der Stadt noch auf dem Schloss Hexen gesehen hatte, machte ich mich am nächsten Tag dann auf den Weg zum Blocksberg.

Mit dem Blocksberg ist eigentlich der Brocken gemeint – und der ist von hier 16 km Fußmarsch bergauf entfernt. Zum Laufen entschieden zu viel!

Also benutzte ich die beliebte Methode aller Touristen, die gute alte Dampflokomotive. Sie stand auf Hochglanz poliert unter Dampf am Bahnhof und wartete schon auf mich.
 
Als ich in den Zug stieg, freute ich mich noch, er war angenehm leer und ich hoffte, rechts wie links aus dem Fenster heraus nach den Hexen Ausschau halten zu können.

Als es dann endlich losging, war es so voll, das ich ziemlich eingequetscht auf meinem Platz saß.

Unter Volldampf ging es mit Schnaufen und Qualmen von 300 mtr hinauf auf den 1141 mtr hohen Brocken.
 
Hexen sah ich zuerst leider keine, aber eine wunderschöne Winterlandschaft.

Aber sind das wirklich schneebeladene Tannen? Mich überkommt ein schaurig schönes Gefühl: wer ist hier in eiseskalter Nacht in diesem Zauberwald erstarrt?

Es war so eisig kalt und windig, das die Hexen auf ihren Besen spätestens jetzt eingefroren wären. Aber die Aussicht war überwältigend und Wind und Eis hatten nicht nur die Bäume erstarren lassen, sondern aus den Gebäuden Eisklötze gemacht.

An diesem Märchenwald konnte ich mich kaum sattsehen, doch ich wollte die 16 km Rückweg laufen, also machte ich mich auf den Weg.

Tiefer im Tal fing es wiederan zu schneien, und da sah ich sie plötzlich, sie saß am Wegesrand mit ihrem Besen, eine alte, schrullige, Hexe wartete auf mich…

 

Meine Wertung: ***** lohnt sich
Harz – Wernigerode – Brocken (Blocksberg)
Zugfahrt zum Brocken und zurück 46,- Euro ca. 2 Stunden

Scheveningen – Silvester *****

Dezember 2018 / Januar 2019

Viele Jahre lang war ich zum Jahreswechsel in Valmorel in den französischen Alpen. Viel Schnee und Skifahren im Sonnenschein, von den Berggipfeln ins Tal schauen und zum Hüttenaben auch schon einmal auf dem Tisch tanzen. Anschließend dann im Dunkeln mit einer Fackel in der Hand wieder ins Tal abfahren. In diesem Jahr hatte ich die Fahrt in den Schnee in den Februar verschoben. Und was sollte ich nun an Silvester machen? Keinen Bock auf Party, aber auch nicht darauf, zuhause ‚rumzuhängen. Die zündende Idee kam dann von meiner Tochter: wie wäre es mit Den Haag, da soll es am Strand immer ein riesiges Freudenfeuer und eine noch riesigere Party geben. Aber im Winter an die Nordsee? Dort ist es kalt und stürmisch und regnerisch und überhaupt nur ungemütlich. Meine Vorurteile wollte ich gerne bestätigt haben, also, ab nach Scheveningen an den Strand.

Um es vorweg zu nehmen: ja, es war kalt, schließlich hatten wir Winter, aber dagegen hatte ich eine dicke Jacke, es war windig, aber nicht stürmisch, geregnet hatte es nicht, stattdessen sah ich häufig blauen Himmel zwischen den Wolken und ungemütlich war schon gar nicht. Es war ein schöner, erlebnisreicher Kurzurlaub, den ich bestimmt noch einmal wiederholen werde.

Das Strand und das Meer luden nicht zum Barfußlaufen ein, aber den Möwen war die Temperatur egal,

die Spaziergänger waren warm eingepackt und die Surfer trugen dicke Neopren-Anzüge.
 
Im kleinen Jachthafen waren die Boote noch weihnachtlich geschmückt und die Bars und Restaurants waren bei diesem kalten Wetter fast gemütlicher als im Sommer. Am Silvesterabend suchte man jedoch vergeblich ein geöffnetes Restaurant, da essen die Niederländer traditionell im Kreise ihrer Familien zuhause.

Zu Silvester gabt es am Strand ein ganz besonderes Ereignis, das sogar im Guinness Buch der Rekorde zu finden ist. Die Strandabschnitte Duindorp, südlich vom Hafen und Scheveningen, nördlich davon, liefern sich einen Wettkampf um den höchsten Holzturm, der dann, pünktlich zu Beginn des neuen Jahres, als Freudenfeuer angezündet wird.

Aber da wurde nicht einfach nur ein bisschen Holz verbrannt, sondern es wurden Paletten zu einer riesigen Pyramide aufgestapelt. Die großen Baustellen sind weiträumig abgesperrt, dort fahren Gabelstapler und Kräne, die ‚Bauarbeiter‘ und die Schaulustigen werden mit lauter Musik beschallt. Mehrere Tage lang wurden zigtausende Paletten aufgetürmt.

Da freuten sich die Duindorper schon, dass sie den höchsten Turm hatten, da legten die Scheveninger aber noch schnell ein wenig nach,

und schon war der Scheveninger Turm höher, dann wurde die Scheveningen Fahne gehisst.

Es war nicht anders zu erwarten, die Duindoper bauten natürlich noch einmal ein gutes Stück höher. Es hat aber nicht gereicht, der Scheveninger Turm war mit 48 Metern der höhere.

Mit einsetzender Dunkelheit begann die große Party. Ununterbrochen wurden mal hier, mal dort Raketen in den Himmel geschossen. Über 200.000 Besucher feierten auf der Strandpromenade.

Und dann war es endlich Mitternacht, die Kirchenglocken läuten, hunderte von Raketen strahlen um die Wette, die Menschen lagen sich in den Armen und wünschten sich ein gutes, neues Jahr und unbemerkt wurden die Türme angezündet. An der Spitze züngelten erst nur ein paar kleine Flammen, aber schon nach kurzer Zeit brannte die Turmspitze unter Geschrei und Gejohlen der Menschen lichterloh.

Die Stimmung stieg und bald brannte der gesamte Turm von oben bis unten und der Feuerteufel (mit viel Fantasie erkennt man ihn) tanzte bis in die frühen Morgenstunden mit.

Der Wind stand allerdings nicht ganz so günstig. es bildeten sich glühende Windhosen und Funkenstürme, die in Richtung Stadt zogen. Vorsichtshalber hatte die Feuerwehr das Kirchendach mit Wasser bespritzt, damit es kein Feuer fangen konnte.

Aber die Party war super!

Während am späten Neujahrsmorgen in Duindorp der Turm bzw. seine Reste immer noch brannten, war vom Scheveninger Turm nur noch der abgebrannte und von der Feuerwehr gelöschte Aschenberg zu sehen – hier wurde bereits aufgeräumt.

Nach der Party ist vor der Party.

Gegen Mittag am Neujahrstag versammelten sich einige Dutzend Menschen am Strand, die meisten von Ihnen mit roten Zipfelmützen auf dem Kopf.

8 Grad Wassertemperatur und 9 Grad Lufttemperatur konnten sie nicht davon abhalten ihre warmen Jacken gegen Badeanzüge und Badehosen zu tauschen und unter lautem Geschrei ins Wasser zu rennen.


Schade das ich meine rote Zipfelmütze nicht dabei hatte ….

Meine Wertung: ***** unbedingt ausprobieren

 

Drachenfels ****

November 2018

So schnell habe ich die Suche nicht aufgegeben. Die nächste Empfehlung für einen „Indian Summer“ in NRW war der Drachenfels am Rhein bei Königswinter.

Der Rhein hat zur Zeit Niedrigwasser, die Fahrrinne ist nur noch sehr schmal und so fahren nur kleinere und wenig beladenere Schiffe.

Der Weg auf den Drachenfels führt durch einen typisch braun und gelb gefärbten Herbstwald, vielleicht auch der großen Trockenheit in diesem Sommer geschuldet. Die schöne bunte Verfärbung mag sich nicht einstellen.  Den 245 mtr hohen Drachenfels (über dem Rhein gerechnet, 321 mtr über dem Meeresspiegel) kann man auch über die  Drachenfelsbahn erreichen, das ist natürlich gemütlicher, als zu laufen!

Im November ist die Saison allerdings vorbei, alle Einrichtungen sind entweder geschlossen oder nur am Wochenende geöffnet.

Vorbei an der Nibelungenhalle mit Museum, Drachenhöhle und Reptilienpark, spaziere ich bei strahlendem Sonnenschein den Berg hinauf.

Während der Saison hätte ich einkehren können … im November aber leider geschlossen.

Das Schloss Drachenburg aus dem Jahre 1882 ist heute ein Museum und Veranstaltungsort und Sitz der NRW-Stiftung Naturschutz, Heimat- und Kulturpflege.

Die Burgruine Drachenfels aus dem Jahre 1138.

Blick auf das Siebengebirge. Warum es Siebengebirge heißt, wo es doch über 50 Hügel sind, konnte ich nicht ergründen.

Der Aufstieg wird bei diesem schönen Wetter durch einen besonders weiten Blick auf das Rheintal belohnt.

Meine Wertung: ***** sehenswert
Königswinter
Parkplätze am Fuße der Drachenfelsbahn

Königsforst *

November 2018

Bilder vom `Indian Summer` mit leuchtend rot und gelb gefärbtem Laub haben wohl Viele schon auf Bildern aus Kanada und den USA gesehen. Aber wer kann schon eben einen Herbstausflug nach Amerika machen, um dieses Naturschauspiel zu sehen? Also suchte ich nach einer Möglichkeit in Deutschland, speziell hier in NRW, vor meiner Haustür, wo ich ‚Indian Summer‘ finden kann. Das Internet war voller Tipps und guter Ratschläge und empfahl mir in den Königsforst bei Köln fahren.

Kurze Zeit später saß ich im Auto und eine Stunde später war ich auch schon dort.

Ich fand ein sehr schönes Naturschutzgebiet mit vielen Wanderwegen und einem sehr schönen Herbstwald, aber von ‚Indian Summer‘ mit rot gefärbten Bäumen war leider keine Spur zu entdecken.

Meine Wertung: ***** lohnt nicht
Zwischen Köln, Bergisch Gladbach und Rösrath
viele Wanderparkplätze

 

Über die Alpen ans Meer und mehr *****

September/Oktober 2018

heute geht es los …

Heute startet die erste größere Tour mit dem neuen Wohnmobil.
Frühmorgens soll es losgehen … ha ha ha, das war mein Wunsch … bis die letzten Sachen im Auto verstaut waren, war es auch schon neun Uhr. Aber dann ging es endlich los, ab auf die Autobahn. Wohnmobil fahren ist sehr gemütlich, man sitzt sehr angenehm, hat von oben herab einen guten Überblick und cruist entspannt mit 120 über die Autobahn. Kurz vor Salzburg tauchen die ersten Berge auf, immer wieder ein beeindruckendes Schauspiel.

 

Salzburg

Nach einem gemütlichen Frühstück setze ich mich auf mein Fahrrad und radele in die Altstadt von Salzburg. Fünf Kilometer geht es entlang der Salzach, bis es immer voller wird und ich mein Fahrrad stehen lasse und mich zu Fuß auf Entdeckertour begebe. Zuerst gehe ich in die Getreidegasse und plötzlich bin ich von endlos vielen Touristen und Reisegruppen umringt, die sich in allen möglichen Sprachen dieser Welt auf Fotomotive hinweisen und mit ihren Smartohones die Erinnerungen mit nach Hause nehmen. Dann schlendere ich über den Marktplatz und schaue mir den Dom an.

Von weitem schon sieht man über der Stadt die gewaltige Festung Hohensalzburg, ein Muss für alle Salzburg-Besucher. Wer mag, kann den Anstieg mit der Standseilbahn bewältigen, aber ich laufe lieber. Der Anstieg wird nicht nur durch die sehr gut gepflegte Burganlage belohnt, sonder auch durch einen grandiosen Ausblick über die gesamte Stadt mit Marktplatz und Dom und Salzach.

 

Auf dem Rückweg mache ich noch einen kleinen Abstecher zum Schloss Mirabel mit seinen schönen Gärten.

 

Golling an der Salzach – Bluntursee – Wasserfall

Heute verabschiede ich mich von Salzburg und fahre weiter Richtung Süden. Die Berge, die sich rechts und links der Straße erheben sind schon toll anzuschauen und so bleibe ich nach einer knappen Stunde in Golling hängen. Vorbei an kleinen Cafés und großen Hotels finde ich letztlich einen kleinen sehr familiären Stellplatz direkt an der Salzach. Das schöne Wetter lässt mich sofort das Fahrrad nehmen und die Umgebung erkunden. So komme ich zum Bluntursee ganz in der Nähe. Kristallklares Wasser lässt Schwärme von Forellen erkennen, die Berggipfel spiegeln sich in der unberührten Oberfläche und ein paar kleine Wolken ziehen vorbei. Hinsetzen, schauen und genießen.

Nachdem ich mich stattgesehen hatte, fuhr ich um den See herum und dann weiter zum Gollinger Wasserfall. Vom Eingang waren es nur ein paar Schritte und ich stand am Fuße des 25 Meter hohen Wasserfall.

Schon ein bisschen beeindruckend, aber wenn man sich die Mühe macht zum oberen Teil des Wasserfall zu steigen, dann gibt es noch die Quelle zu bestaunen, die aus einer dunklen Höhle heraus das Wasser ins Tal schießen lässt. Auf dem Weg zum Wasserfall stürzt das Wasser durch einen 30 Meter hohen Trichter um dann über den Wasserfall ins Tal zu donnern. Sehr beeindruckend.

 

Golling an der Salzach – Lammerklamm

Über den Lammertal-Radweg fahre ich entspannte 10 km an der Lammer entlang. Nur auf dem letzten Kilometer geht es den Berg hinauf, aber diese Anstrengung lohnt sich. Hier wartet die Lammerklamm auf meinen Besuch. Hinter dem Eingang geht es rechts über Treppen und enge Steige in einen Trichter, durch den sich vor Millionen Jahren das Wasser gegraben hat. Der Weg endet in einer Sackgasse, die Aussicht ist spektakulär. Zurück geht es am Kassahäuschen vorbei immer der Lämmer entlang, der ich nun über enge Stiegen und steile Wege durch die Schlucht folge.

 

was für eine Nacht ….

Es mag zwei Uhr in der Nacht gewesen sein, als ich vom Summen einer riesigen Mücke, zumindest dem Geräusch nach war sie so groß wie eine Biene, geweckt wurde. Vorsichtig befühlte ich meinen Kopf, auf der Stirn, unter den Ohren spürte ich bereits fünf juckende Stiche. Voller Zorn stellte ich mich dem Kampf, erschlug vier von ihnen und hinterließ hässliche rote Flecken an den Wänden. Mit dem guten Gefühl, die Schlacht gewonnen zu haben, schlief ich wieder ein.

Aber ach, wie sehr hatte ich mich getäuscht! Gegen vier Uhr hat der Gegner, woher auch immer, Nachschub erhalten und mir voller Vergnügen in die Arme gestochen, jetzt begann er, mich auszusaugen. Das war zu viel! Licht an und zum Gegenschlag ausgeholt. Fünf von Ihnen blieben auf der Strecke und ich kuschelte mich, voller Siegerstolz, wieder in mein Kissen.

Wieder kam alles anders als gedacht. Ich hatte nicht mit der Kirche und dem Schützenverein gerechnet, die wahrscheinlich mit den Mücken kooperierten. Punkt sechs begannen die Glocken zu läuten und der Schützenverein knallte den ersten Böllerschuss. Es war nicht nur sehr laut, nein das ganze Wohnmobil vibrierte, wahrscheinlich standen sie mit ihrer Kanone direkt neben mir. Bumm bumm bumm ein Kanonenschuss nach dem anderen donnerte durch den frühen, noch jungfräulichen Morgen. Jetzt eine Pause, doch nein, da geht es schon weiter. Um sieben wurde auch die Feuerwehr munter und ließ alle vorhandenen Sirenen dazu erklingen. Ein beeindruckend schönes Krachkonzert. Gegen acht gab ich dann endgültig auf und versuchte vergeblich, unter der heißen Dusche gute Laune zu bekommen.

On the Road again.

Auch das Wetter hat sich entschlossen, regnerisch, kalt und nebelig zu werden, so bin ich unter dicken Wolken über die Tauern gefahren – sehr unspektakulär. Dann auf den Katschberg, und da es bereits begann zu dämmern, reichte es mir für den heutigen Tag!

 

Kranjska Gora

Die Wettervorhersage für den Sonntag im Osten Österreichs sagt Regen und Kälte voraus, mein Campingplatz in dem Ort „Rennweg“ scheint ein versteckter Hinweis zu sein – „renn weg“, also nichts wie weg, auf in Richtung Slowenien.

Kurz hinter Spittal blinzelte die Sonne doch wieder durch den wolkenverhangen Himmel, da möchte ich nicht die ganze Zeit im Auto sitzen. Spontan suche ich mir einen Waldweg, um doch noch eine kleine Wanderung zu machen.

Sehr schön, aber dieses Hinweisschild lässt mich ein schon nachdenklich werden.

be lunch or have lunch … ich habe es aber überlebt.

Kranjski Gora ich komme …

 

Triglav Nationalpark

Die Nacht war stürmisch und es regnete sehr heftig, aber der Morgen begrüßte mich mit einem klaren und strahlendblauen Himmel. Herrlich, da schmeckt das Frühstück mit Blick auf den 2472 mtr hohen Spik doppelt so gut.

Und los geht es, zuerst mit dem Rad nach Mojstrana und dann biege ich ab in das Vrata-Tal. Als das Hinweisschild „25 Grad Steigerung“ am Wegrand erscheint, gebe ich auf, das ist zu viel. Die letzten Kilometer bis zur Hütte am Aljazev Dom gehe ich zu Fuß weiter. Die Aussicht auf den 2864 mtr hohen Triglav ist einfach atemberaubend.

 

Irgendwo im Nirgendwo

Eigentlich war der Plan für heute, bis nach Udine in Italien zu kommen. Aber da es unterwegs so viel zu sehen gab, bin ich irgendwo in Slowenien an der Soca gelandet und übernachte hier.

Unterwegs schaue ich mir den malerischen Jasna-See an. Türkisblaues und kristallklares Wasser, Forellen die sanft hindurchgleiten, Enten die am Ufer gründeln, Kinder die im seichten Wasser plantschen und am Ufer herumtoben, Erwachsene die am Kiosk sitzen und angeregt miteinander plaudern und Bier trinken. Ich setze mich auf eine der Bänke und genieße den Ausblick auf die Berge und das sorglose Treiben um mich herum.

Dann fahre ich weiter Richtung Passhöhe, die Straße ist in den Kehren immer noch mit Kopfstein gepflastert, das russische Kriegsgefangene nach dem ersten Weltkrieg verlegen mussten. Zum Gedenken an die gestorbenen Soldaten wurde die russische Kapelle erbaut.

Über 27 Kehren windet sich die Straße auf 1611 mtr hoch

und bietet einen grandiosen Ausblick.

 

Cividale del Friuli

Es war kurz nach vier in der Nacht als ich, gemütlich in mein warmes Bett gekuschelt, von etwas geweckt wurde. Nein, gefroren habe ich nicht, obwohl es draußen -1 Grad kalt war, denn mein Wohnmobil hat eine gute Heizung. Ich lausche wieder in die schwarze Nacht, nichts Ungewöhnliches, kein Licht, kein Geräusch. Vielleicht habe ich auch nur geträumt. Ich drehe mich um und will weiterschlafen, da höre ich es wieder. Kein vertrautes Geräusch, kein Tier, das ich kenne, gibt solche Geräusche von sich, voller Kraft und brachialer Gewalt – das kann nur ein Bär sein. Ich lausche aufmerksam weiter, aber nichts ist mehr zu hören. Es klang auch nicht so nahe, dass ich mir Gedanken darum machen müsste, aber spannend war es schon. Ich schlief wieder ein.

Der Morgen war kalt, aber die Sonne, die von einem blauen Himmel strahlte, wärmte den neuen Tag schnell auf. Weiter geht es, heute lasse ich Slowenien hinter mir und fahre nach Italien.

Gegen elf Uhr sitze ich bereits auf der Piazza Paola Diacono und genieße Capuccino und frische Croissants. Cividale del Friuli lädt zum Bummeln und Erkunden ein. Hier ein Aperol mit etwas Fingerfood, dort etwas Käse und Schinken, hier eine historische Kirche, dort ein interessantes Museum, eine tolle Stadt. Besonder gefällt mir die Ponte del Diavolo.

 

 

Grado

Ich habe die Alpen hinter mir gelassen und freue mich, am Meer angekommen zu sein. Die Sonne lacht, der Sand ist warm, nur das Meer fehlt gerade. Da die Adria hier sehr flach ist, ist das Wasser bei Ebbe so weit weg, dass man es nur noch erahnen kann. Aber in einigen Stunden ist es ja wieder und dann kann ich durchs Wasser laufen – zum Schwimmen ist es mir zu kalt.

Grado hat eine schöne Altstadt mit einer berühmten Basilika,

 

vielen kleinen engen Gassen und gemütlichen Restaurants und Bars.

Der Hafen zieht sich wie eine breite Straße durch die Stadt.

In der Hauptsaison ist es hier sicherlich total überlaufen, jetzt in der Nachsaison ist es wunderbar friedlich.

Der Tag endet mit diesem romantischen Sonnenuntergang.

Soooo ein tolles Wetter, warm aber nicht zu heiß, strahlender Sonnenschein, aber ich habe einen Sonnenschirm und das Meer ist immer noch warm genug, um mal einzutauchen. Einfach nur ein traumhaft schöner Tag am Strand.

 

Rovinj

Angekommen! Ich wollte gerne nach Kroatien und Empfehlungen von Campern, denen ich unterwegs begegnet bin, hießen Rovinj. Die Stadt ist wunderschön.

Die Wurzeln reichen zurück bis hin zu den Römern ins 2. Jahrhundert nach Christi. Rovinj blickt auf eine sehr bewegte Vergangenheit zurück, der man beim Bummel durch die engen Gassen der Altstadt überall begegnet.

 

Über Allem thront die Kirche der heiligen Euphemia, die Anfang des 18. Jahrhundert auf den Grundmauern einer älteren Kirche errichtet wurde.

Wer mutig und vor allem schwindelfrei ist, kann den Glockenturm über eine sehr fragile Holztreppenkonstruktion erklimmen. Es lohnt sich! Von hier oben habe ich eine fantastischen Ausblick über die Stadt und den Hafen

und das strahlend blau blitzende Meer und die vielen kleinen, vorgelagerten Inseln.

 

Gardasee

Der Morgen ist trübe und kalt und auf dem Meer treiben nebelige Wolken. Schon bald wird es windig, zuerst nieselt es nur, aber kurz darauf regnet es heftig. Und in den nächsten Tagen soll es auch so bleiben, sagt die Wettervorhersage. So hatte ich mir das nicht vorgestellt. Da studiere ich lieber die Wetterbericht für die nächsten Tage, dabei bietet sich der Gardasee an. Dort soll es noch warm und sonnig sein. Also schwinge ich mich ins Auto und mache mich auf den Weg. Sehr optimistisch bin ich nicht, denn es regnet die ganze Fahrt über und am Gardasee noch viel mehr. Hoffentlich war das eine kluge Entscheidung.

 

Bardolino

Es gibt einen vorzüglichen Rotwein aus der Region, aber bei diesem schönen Sommerwetter bevorzuge ich einen Rosé, den Bardolino Chiaretto.

Es macht Spaß, durch das kleine Örtchen zu bummeln, vorbei an den vielen alten Gebäuden und Kirchen, und Restaurants und kleinen Bars, oder am Hafen zu sitzen und dem bunten Treiben zuzuschauen.

Das Wetter und der See sind noch warm genug, um ein bisschen schwimmen zu gehen.

Sonnenuntergang

 

Malcesine

Langsam nähert sich mein erster längerer Urlaub mit Ilse, diesen Namen hat mein Wohnmobil inzwischen bekommen, leider dem Ende. Ilse und ich haben uns gut vertragen und sie ist mir sehr ans Herz gewachsen. Mein letztes Ziel ist Malcesine mit seiner imposanten Burg aus dem 12. Jahrhundert, die das ganze Örtchen überragt.

 

Füssen

Auf den Bergen liegt der erste frische Schnee, der Sommer geht zu Ende, Zeit nach Hause zu fahren.

Zandvoort ****

August 2018

Vor 45 Jahren ging das noch, da konnte ich mit meiner damaligen Freundin in Zandvoort in unserem uralten VW-Käfer einfach oberhalb des Strand auf dem Parkstreifen übernachten. Das Geld war knapp und wir waren jung genug um eine Nacht im Auto zu verbringen. Wie so viele andere rechts und links neben uns auch. Da wurde auch schon mal eine Flasche Bessem von Fenster zu Fenster weitergereicht. Frühstück und Dusche gab es morgens an der Strandbude. 45 Jahre her. Die Freundin ist mittlerweile meine Frau und ich gehe auf die 65 zu. Und jetzt stehe ich wieder an der gleichen Stelle. Natürlich ist nichts mehr wie es früher einmal war, ich möchte nicht mehr eingequetscht in einem Käfer übernachten und morgens mit müden Augen darauf warten, daß die sandige Duschkabine frei wird. Heute stehe ich hier mit meinem Wohnmobil, genieße den freien Blick aufs Meer, habe etwas Käse, Brot und ein Glas Rotwein vor mir, gleich ein bequemes Bett und morgen früh eine saubere Dusche. Nicht mehr so das Gleiche wie früher aber trotzdem wieder sehr schön.

 

Biggesee ***

August 2018

Ich möchte für einige Tage ein Ausflugsziel in der Nähe finden, denn das Wetter ist viel zu schön, um für eine Radtour erst lange mit dem Auto zu fahren. Ich studiere die Karte, maximal eine Stunde Fahrtzeit schwebt mir vor. Egal in welche Himmelsrichtung, das Ruhrgebiet ist in alle Richtungen von schönen Zielen umgeben. Ich entscheide mich für den Biggesee, hier kann man baden, es gibt einen Radwege um den See herum, ein kleine Stadt, um ein bisschen zu bummeln, die Attahöhle und hoch über dem See eine Aussichtsplattform, zu der man wandern kann.

Am Nachmittag, nachdem ich angekommen bin, fahre ich mit dem Rad nach Attendorn. Was ich nicht wusste, Attendorn bekam bereits 1222 die Stadtrechte verliehen und war früher für seine bedeutenden Tuch- und Leinwebereien bekannt, weshalb sie in den Bund der Hanse aufgenommen wurde und sich heute noch Hansestadt nennen darf. Ein kleines, hübsches Städtchen mit einem schönen Marktplatz

und der Pfarrkirche St. Johannes Baptist.

Am Abend sitze ich gemütlich am Seeufer, schaue den letzten Schwimmern und Stand-Up-Paddlern zu und genieße den Sonnenuntergang

Am nächsten Tag setze ich mich auf mein Rad und fahre um den See. Bei den vielen Seitenarmen kann man die Tour beliebig lang gestalten, 20, 30, 40 km oder mehr, immer auf gut ausgebauten, asphaltierten Wegen.

 
Heute geht es zu Fuß los,

vorbei an der Waldenburger Kapelle

geht es hinauf zur Burgruine Waldenburg

mit einer schönen Aussicht über den See.

Den Nachmittag verbringe ich am und im See.

Am späten Nachmittag mache ich mich noch einmal auf den Weg zur Aussichtsplattform Biggeblick.

Mein Wertung: ***** erlebenswert

Rursee / Monschau

Juli 2018

Auf geht´s zur 2. Tour. Da die erste ans Meer führte, soll es nun ein Ziel im Mittelgebirge sein. Da bietet sich ein Campingplatz am Rursee in der Eifel an, an dem ich die Selbstversorgung ausprobieren möchte. Eigener Strom, Gas, Wasser aus dem Tank, Toilettennutzung – alles zum ersten mal.

Mein Stellplatz ist schön beschattet und in idyllischer Lage an einem kleinen Bach, der nur ein paar Meter weiter in den Rursee mündet. Hier treffen sich viele Holländer, Belgier und Deutsche, besonders Familien mit Kindern, da der See zum Planschen, Standup-Paddeling und Kanufahren einlädt.

Ankommen, Stühle und Tisch auspacken, Markise ausfahren – fertig. Schon beginnt die Entspannung mit Lesen, Spielen, Essen und einer kalten Flasche Weißwein aus dem Kühlschrank. Ziemlich optimal alles.

Die wald- und wasserreiche Umgebung lädt ein zu ausgedehnten Wanderungen und Radtouren.
 

Zwanzig Kilometer entfernt liegt die mittelalterliche Stadt Monschau, die sich mit ihren vielen Fachwerkhäusern an der Rur entlang schlängelt. Enge Kopfsteinpflastergassen, kleine Läden und einige hübsche Restaurants laden zum bummeln und verweilen ein.

Auch als Nichtkirchengänger kann ich es nicht lassen ab und zu einmal in eine Kirche hineinzuschauen. Ich habe in zwei Kirchen hineingeschaut und ich wurde beide Male positiv überrascht.
Hier durch die ungewöhnliche Anordnung der Sitzbänke, die im Halbkreis um den Altar angeordnet sind

und hier durch eine lesenswerte Texttafel im Eingangsbereich (ich hoffe die Stadtkirche Monschau ist mit der Publikation dieses Textes einverstanden).


Rufsee-Touristik GmbH
Seeufer 3
52152 Simmerath-Rurberg
Telefon: 02473 – 93770

NL Elkersee

Juli 2018

Jetzt geht es endlich los, die erste kleine Tour mit dem neuen Wohnmobil.

Die Grundeinrichtung, Töpfe, Teller, Gläser, Bettwäsche und noch Vieles mehr ist bereits verstaut, die letzten Vorbereitungen sind schnell erledigt. Ein bisschen Wäsche, ein paar T-Shirts und vielleicht etwas Warmes für abends sind flott aus dem einen Schrank (in der Wohnung) in den anderen Schrank (im Wohnmobil) geräumt. Ein paar Lebensmittel noch und innerhalb einer Stunde bin ich abfahrbereit. Genau so habe ich es mir vorgestellt.

An das Fahren mit dem großen Auto habe ich mich schnell gewöhnt, ich sitze sehr komfortabel in meinem Cockpit-Sitz und schaue von oben auf den Verkehr herab. Kurze Zeit später bin ich auf der Autobahn Richtung Holland. Südholland, die Scheldemündung, Scharendijke, Elkersee ist mein Ziel. Freunde haben mir einen kleinen und sehr schönen Campingplatz bei einem „Kartoffelbauern hinterm Haus“ empfohlen.

In der Nähe des alten Hühnerstall gibt es einen ruhigen Stellplatz.
Ab ins süße Nichtstun …
 
Zeit für lange Strandspaziergänge, für faul im Sand liegen, für Matjes und Kippeling und Frikandel Spezial; und Abends vorm Wohnmobil sitzen und während die Sonne untergeht und der Abend kühler wird, den Tag ausklingen lassen.

Wohnmobil

Januar 2018

Ich habe Einiges von der Welt gesehen und jetzt, als Rentner, möchte ich nicht die Füße hochlegen und bestenfalls ab und zu den Rasen mähen.
Ich brauche ein neues Abenteuer! Also tue ich, was zur Zeit sehr viele tun, gerade Menschen in meiner Lebenssituation.

Ich habe mir ein Wohnmobil bestellt.

Angefangen hat es mit der Idee, einen alten VW-Bus selber auszubauen, da ich genügend Zeit habe und handwerklich nicht ganz unbegabt bin. Werbefotos versprachen die große Freiheit an einsamen Orten, die untergehende Sonne vom Strand aus beobachten mit einem Glas Rotwein vor dem Campmobil, so meine Vorstellung von künftigen Ausflügen. Tagelang habe ich nach gebrauchten und neuen Bussen und nach entsprechenden Ausbausätzen geschaut. Das war sehr ernüchternd, denn der Preis für alte wie neue VW-Busse ist schwindelerregend hoch und liegt weit über meinem Budget.

Dann entdeckte ich den Campster von Pössl. Vergleichbar groß, allerdings nicht so ‚cool‘ wie ein alter VW-Bus, aber dafür komplett ausgestattet und fix und fertig und fahrbereit. Womit ich nicht gerechnet habe: Viele Menschen haben gerade die gleiche Vorstellung von Urlaub im Campmobil, die Lieferzeit beträgt 12 Monate und mehr, gebrauchte Camper kosten unwesentlich weniger als neue, haben aber höchsten einen E5-Dieselmotor.

Es ist schon seltsam, wenn man plant, sich ein rotes Auto zu kaufen, sieht man plötzlich überall ganz viele rote Autos. So ging es mir auch mit der Idee ein Wohnmobil zu haben. Es gab auf einmal viele Gespräche und Diskussionen mit Freunden, Bekannten und Nachbarn, und tausend Anregungen, Ideen und kontroversen Diskussionen.

Daraufhin erschien mir der Campster doch ein wenig zu klein. Das Aufstelldach zum Schlafen könnte bei länger anhaltendem Regen schnell ungemütlich klamm werden. Dann ist entweder gemütliches Sitzen möglich, oder es steht Umbauen zum Schlafen an. Eine Waschgelegenheit und Toilette wäre auch nicht übel für künftige Abenteuer in der Wildnis, fernab der Zivilisation.

Da bietet sich ein Kastenwagen regelrecht an. In dem kann ich stehen, es ist eine komplette kleine Wohnung mit Schlaf- und Wohnzimmer, Küche und Bad, alles vorhanden, was man braucht, nur eben auf 8 bis 10 qm. Tage-, ja wochenlang habe ich Prospekte gewälzt und Ausstellungen und Händler besucht. Welches Basisfahrzeug, wieviel PS, welche Farbe, welche Polster, 5,40 oder 6,30 mtr lang, Pössl oder Hymer oder Weinsberg oder oder oder….

Juni 2018

Die Entscheidung fällt auf den 5,40 mtr langen Citroen Jumper Kastenwagen von Clever Van. Groß genug für alles was ich brauche und doch klein genug um damit bequem in der Stadt oder einem kleinen Dörfchen zu rangieren. Weiß und glänzend steht er nun vor meinen Haus, das Wohnmobil ist endlich da. Wenn ich die Schiebetür öffne, riecht es noch sehr nach neuem Auto. Ich habe nach langer Suche einen Händler gefunden, der tatsächlich bereits nach 5 Monaten liefern konnte. In der Zwischenzeit hat sich in meinem Zimmer ein kleines Warenlager gebildet: Töpfe, Teller, Gläser, Oberbetten und Kissen, Gartenstühle und ein Tisch, Chemie für Toilette und Wasser, Wasserschlauch, Kabeltrommel, ein mobiler WLAN-Router und etliches mehr.  Nach und nach räume ich Alles ein, bin mir aber sicher, es fehlt noch Einiges. Ganz egal, jetzt geht es los …